China-Business
Hat eventuell jemand schon etwas von dem Hydropolis Projekt in Dubai gehört? Eine recht gewaltige Sache – es geht um ein Unterwasserhotel. So weit ich gehört habe, hat die Finanzkrise dem Projekt einen Rückschlag versetzt, aber wenn das fertig ist, dann gibt es etwas zum Staunen. Der Designer/Architekt/Projektleiter des Ganzen ist ein gewisser Herr Hauser, Joachim Hauser um genau zu sein. Das mal nur so als Information für alle, die sich für Außergewöhnliches interessieren. Einfach mal googlen.
Mein Transfer nach Beijing wird leider nicht klappen. Das habe ich nun offiziell von der regionalen Kempinski Leitung in China. Nunja, ich habe damit gerechnet, somit hält sich die „Trauer“ in Grenzen. Begeistert bin ich aber natürlich nicht. Was solls, ein Jahr ist schneller vorbei als man denkt und wie einen das Leben ja schon des öfteren gelehrt hat: Alles hat seinen Sinn, auch wenn man den Kern nicht immer auf Anhieb erkennt. Ich arrangiere mich also mit der Situation und mache weiter wie bisher, allerdings muss ich zugeben, dass mein Elan ein wenig nachgelassen hat und wie ein paar Kollegen bereits festgestellt haben, hat sich meine Einstellung etwas verändert. Gut, dass meine Vorgesetzten nun nicht darüber froh sind, dass ich keine 3-4 Überstunden täglich hinlege wie vorher – das ist nachvollziehbar.
Nun aber wie versprochen etwas zu chinesischen Unternehmensmethoden. In der Nähe unseres Hotels macht nun ein neues, chinesisches Hotel auf. Im Moment ist das pre-opening, das bedeutet, dass das gesamte Personal dort geschult wird, erste Reservierungen akzeptiert werden und alles darauf vorbereitet wird, in 2-3 Monaten einen erfolgreichen Start hinzulegen. Ich habe aber nicht schlecht gestaunt, als ich eine E-Mail mit den Bildern der Zimmer des Hotels gesehen habe: Eine detailgetreue 1:1 Kopie unserer Zimmer.
Kürzlich frage mich ein Kollege um einen Gefallen. Ich solle doch mal in Europa bei einem Herrn anrufen und nur mal fragen, ob ihm die zugesandten Bilder gefallen und was er von dem Preis halten würde. Es ging wohl um einen Möbelversand eines Freundes dessen Freund wiederum das Ganze aufzieht und sich um europäische Kunden bemüht. Ein Blick auf die Bilder der Möbel ließ mich geschockt zurück: Es handelte sich um 1:1 Kopien von Ikea. Selbst die Namen der Möbel hatte man nicht verändert.
Es ist schon erschreckend wie skrupellos hier alles kopiert und geistiges Eigentum geklaut wird. Die Qualität bleibt dabei leider noch weit auf der Strecke zurück. Das ist allerdings natürlich nur eine Frage der Zeit. Japan und Korea haben ähnliche Wege bereits hinter sich und die Ergebnisse können sich ja nun durchaus sehen lassen.
Waren ausländische Unternehmen noch bis vor kurzer Zeit ganz scharf darauf nach China zu kommen, hat sich das Klima nun grundlegend verändert. Man ist sichtlich vorsichtiger geworden und so mancher Geschäftsmann bevorzugt die teurere koreanische oder gar japanische Konkurrenz – da stimmt die Qualität und es gibt mittlerweile zumindest so etwas wie einen Unternehmenskodex an den man sich grob hält. In China gibt es den ebenfalls – unter Chinesen. Als Ausländer bleibt man da immer außen vor und egal wieviele Biere oder Vodka man zusammen getrunken hat – man sollte sich niemals auch nur einbilden mit einem chinesischen Geschäftsmann befreundet zu sein. Der Großteil der Erfahrungen von Geschäftsleuten in China ist in der Hinsicht einfach zu negativ.
Ich möchte dazu anmerken, dass das nicht komplett meine Meinung, sondern nur die Wiedergabe gesammelter Erfahrungen von ausländischen Geschäftsleuten in China ist, mit denen ich schon zahlreiche Gespräche geführt habe.
In China ist irgendwie alles anders und das aus dem einfachen Grund, weil China so riesig und überbevölkert ist. Die gleiche Argumentation wird übrigens auch für so ziemlich alle Probleme Chinas als Entschuldigung verwendet. Das Einkommensgefälle ist bereits jetzt gewaltig und nur ein minimaler Teil der Bevölkerung gehört zu den Profiteuren. An Qualität ist hier noch nicht wirklich jemand interessiert. Der Grund ist ja auch leicht erklärt: Wer zum Beispiel vorher so etwas wie einen Flaschenöffner nicht einmal kannte auf einmal einen in der Hand hält, dann ist es ihm/ihr völlig egal ob dieser aus Plastik, Metal oder Holz ist. Es ist auch egal, ob man den Plastik-Öffner nach dem Öffnen der Flasche bereits wegwerfen kann. Das stört keinen. Die Qualität ist egal, hauptsache man hat es. Bildung spielt ebenfalls eine untergeordnete Rolle. Geschätzt wird Geld, nicht Bildung. Ich bin mir nicht sicher welcher Theoretiker das geschrieben hatte, aber an China sieht man wirklich den Kapitalismus von seiner häßlichsten Seite…
Tja, aber wie lange das hier noch gut geht ist eine Frage. Was Tourismus angeht kann ich klar sagen: China ist bereits in einer negativen Entwicklung. Warum? Weil China einfach zu teuer wird. Die neuen Reiseländer Asiens heißen Vietnam und Kamboscha. Indonesien und Thailand sind immer noch beliebt und günstiger als China (zumindest Sanya). Hinzu kommt, dass China als „Reich der Mitte“ auch nicht als romantischer Zufluchtsort etc. gilt. Die Chinesen gelten allgemein als weniger freundlich als Thailänder oder Indonesier. Die Servicestandards sind in China niedriger und so lange langfristige Investition und Qualität nicht auf den Projekten großgeschrieben werden, so lange wird sich hier auch nichts positives entwickeln. Der Großteil der chinesischen Investoren und Firmeneigentümer bevorzugen tatsächlich einmalige große Gewinne anstatt sich einen guten Namen und regelmäßige hohe Einnahmen zu sichern. Langfristige Planung kennt man hier einfach nicht. Das ist schon manchmal deprimierend sich das mitanschauen zu müssen… schauen wir mal wie lange das gut geht.
Ein Grund dafür mag wohl in den fehlenden Regelungen für Besitz- und Eigentum liegen. Es gibt NICHT EIN Gesetz zu diesen Punkten. Ich habe mich ja immer gewundert, warum so mancher BMW oder Mercedes Fahrer hier in absoluten Dreckslöchern (verzeiht bitte den Ausdruck) wohnen, aber der Grund ist schnell erklärt: Auch wenn jeder Chinese gerne ein Haus/Wohnung kaufen will. Nach 50 bzw. 70 Jahren muss das gekaufte wieder zurückgegeben werden. Nachlass für Kinder? Gibts nicht. Und sollte mal jemand in der Politik beschließen eine Autobahn durch das Gebiet zu bauen und das neu erworbene Objekt auf der geplanten Strecke liegen, dann ist man das Ganze noch schneller los – Kompensation ist dann reine Glückssache. Also ich werde mein Geld sicherlich nicht hier versickern lassen. Tja, wenn man also nichts wirklich besitzen kann, dann kann da auch kein Interesse an einer langfristigen Investition oder Instandhaltung bestehen.
Umwelt. Oft erwähnt. Immer noch stark unterschätzt. Es gibt in China mittlerweile wohl mehr als einen „gelben“ Fluss. Ich würde einfach mal behaupten, es gibt hier nicht mehr auch nur einen Fluss, in dem man sein Kind baden sehen möchte. Wasserversorgung ist dementsprechend ein Problem. Die Wüsten Chinas wachsen ebenfalls. Nahrungsmittelversorgung wird langsam zum Problem, von Energie wollen wir nicht sprechen. Es hat schon seinen Grund, dass man sich Rußland als „guten Freund“ hält. Die neue Energiemacht der Welt sollte man sich auch schön warm halten.
Jaja, nach langer Zeit wieder viele negative Worte. Ich bin immer noch kein Freund Chinas. Ich habe leider auch die Befürchtung, dass sich das nicht mehr groß ändern wird, aber schauen wir mal. Man sollte ja niemals „nie“ sagen. ;- )
Halbzeit
Noch nicht ganz. Heute ist der 2. November und somit bin ich jetzt exakt 5 Monate in Sanya. Ging an sich recht schnell vorbei die Zeit. Bleiben noch 7 Monate in China. Wenn jemand Monat für Monat so genau zählt, dann kann man erahnen, welchen Hintergrund das haben kann… naja, später mehr dazu.
Ich habe meinen Blog ein wenig vernachlässigt. Das lag hauptsächlich an meinem neuen Apartment und der Verlegung des Internets, welches jedoch bis heute nicht einsatzfähig ist. Die neue Wohnung ist etwas kleiner als die vorherige, machte jedoch auf den ersten Blick einen besseren Eindruck. Wirkte qualitativ hochwertiger. Dieser Eindruck wurde sogleich am ersten Tag zerstört – Wasser- und Stromausfall für 3 Tage und natürlich dauerte die Instandsetzung nur in unserem Gebäude so lange. Die moderne Gegensprechanlage mit Kamera ist nur zur Zierde dort und die vielen Schalter im Flur, welche rund 6 verschiedene Stromkreisläufe für die kleine Einzimmerwohnung vermuten lassen, ändern nichts an dem Fakt, dass scheinbar die Stromleitungen komplett ohne einen Spannungsstabilisator installiert wurden. Anders läßt sich das Flimmern des Lichts und die Notwendigkeit, bereits nach einer Woche zwei Halogenleuchten auswechseln zu müssen nicht erklären. Immerhin, ich blicke nun nicht mehr auf eine Baustelle, sondern schaue in die Apartments Anderer hinein. Kein Meerblick, aber vor allem kein Baulärm. Das nehme ich doch als Pluspunkt. Näher zum Strand und zur Strandbar ist es auch.
Was meine Versetzung nach Peking angeht, sieht es nicht allzu gut aus. Ich pushe noch nicht zu stark, ist ja noch Zeit. Da sich aber die für mich Zuständigen nicht wirklich zu Wort melden wollen, vermute ich ein negatives Ergebnis. Ich formuliere es mal so: Auch OK. Habe ein paar Gespräche mit einigen berufserfahrenen Hoteliers geführt und ich werde den Rat, mir meine Karriere nicht durch die paar Unannehmlichkeiten (oder Personen) hier kaputt machen zu lassen, beherzigen. Meine Ideen, Vorstellungen und Pläne behalte ich für mich. Was sich hier machen läßt wird gemacht. Professionell und effektiv. Insgesamt fahre ich aber den bisher betriebenen Aufwand herunter. Ich fühle mich nicht genug wertgeschätzt für die vielen Überstunden.
Gerade in letzter Zeit konnte ich einige weitere interessante Kontakte aufbauen. Wo es mich nach dem Jahr in China führen wird steht noch in den Sternen. Ich habe aber einen ersten Business-Kontakt nach Boston (USA) aufbauen können. Polen (Krakau & Warschau, Danzig) ist nun auch in beruflicher Reichweite, Korea eh schon lange auf dem Plan und der nahe Osten lockt ebenfalls mit Perspektiven. Persönlich denke ich, dass es an der Zeit wird, Asien für eine Weile zu verlassen. Mehr internationale Erfahrung in Kombination mit zwei weiteren Beförderungen und dann kann ich mich womöglich auf ein Land für einen längeren Zeitraum fokussieren.
Nun aber zu anderen Themen. Mein letzter Eintrag bescherte mir eine Rekordleserzahl von 196 an nur einem Tag. Sollte ich öfter über Hochzeiten schreiben?
Dann habe ich gelesen, dass es zur Markteinführung von Windows 7 in Japan bei Burger King einen „Windows 7 Whopper“ gab – mit 7 Schichten Fleisch. Hat den zufälligerweise einer meiner Leser gesehen oder gar verdrückt?? Ich wäre sehr interessiert an Details dazu ;- )
Und wo wir bei Fast-Food sind mal was zu Fast-Food in China. Ich muss sagen, ich bin kein Feind von Fast Food und in Sanya ist das beste Frühstück für europäischen Gaumen natürlich bei McDonalds. Die europäische Frühstückskultur trifft glaube ich nirgends in Asien auf Freunde. McDonalds und KFC spielen aber neben dieser, auch eine andere wichtige Rolle in China. Sie geben den Ton in der regionalen Entwicklung an. Für viele Chinesen sind die genannten Ketten tatsächlich ein Muster an Modernität und neuem Lebensgefühl. Saubere Küchen, modernes Design, Klimaanlagen, moderne und standardisierte, effiziente Arbeitsabläufe – das sind keine Selbstverständlichkeiten. Also wenn jemand eine Diplomarbeit zu dem Thema schreiben möchte, ich glaube das wäre doch sehr interessant und ich bitte um eine Kopie.
Dann noch ein Fernsehtipp: Hotel Babylon. Wenn die Serie nicht in Deutschland läuft, dann bleibt wohl nur YouTube oder *hust*download*hust*. Nach Boston Legal nun meine Nr. 2 unter den Fernsehserien. Es ist unglaublich, wieviel ich dort von meinem Alltag wiedererkenne. Ich kann die Serie wirklich Jedem empfehlen, nicht nur für Hotelangestellte ein Spaß.
Genug für heute. Nächstes mal schreibe ich etwas über chinesische Unternehmensmethoden, Eigentumsrechte und warum China auch meiner Ansicht nach „in der Modernisierungsfalle“ steckt.
Hochzeit ohne Hindernisse
Gestern besuchte ich zum ersten Mal eine Hochzeit – in unserem Hotel. Die Organisation des Events lief über unsere Sales & Marketing Abteilung, ein klein Wenig habe ich jedoch auch eingegriffen. Ein gutes Wort beim Küchenchef eingelegt, ein klein wenig Einfluss auf die Zimmerwahl und schon wird so ein Aufenthalt angenehmer. Die Hochzeit war traumhaft und ich nahm als Gast teil… hach, schon schön sich eine filmreife Trauung live anzuschauen und ich bin sehr froh gewesen das Ganze aus der Gast-Perspektive wahrzunehmen. Das Brautpaar strahlte und auch wenn Beide beim Höhepunkt den Tränen nahe waren verlief alles reibungslos. Das Glück der Beiden sprang auch förmlich auf alle Anwesenden über. Ein sehr schöner Moment… Trotzdem und um alle meine Nahen zu beruhigen: Für mich ist die Zeit noch nicht gekommen… bei dieser Gelegenheit aber einen schönen Gruß an meinen Blogger-Kollegen Jens-Olaf ;- )
Interessant war an dem Tag eine weitere „Entdeckung“. Zur Hochzeit zieht man sich gut an und natürlich habe ich meinen Anzug aus dem Koffer geholt, die Kravatte wurde mit einem überaus guten Windsor-Knoten versehen an dem ich rund 15 Minuten feilte, damit er auch perfekt in Form ist und mein Lieblingshemd durfte auch nicht fehlen. Dann stellte ich jedoch fest, dass meine Geldbörse nur noch genug Kleingeld für den Bus enthält. Das darf nicht sein, im Anzug hat man in einem Mietwagen oder zumindest Taxi vorzufahren. Da ich noch genug Zeit hatte, entschloss ich mich also noch kurz zur Bank zu gehen. Das war ein Erlebnis. Ich werde ja so schon oft angestarrt hier, aber hochgestylt mit Anzug, Weste, Kravatte und blankpolierten Schuhen fühlte ich mich tatsächlich wie ein Alien. Ich konnte förmlich fühlen wie sich ausnahmslos JEDES AUGENPAAR auf dem Weg auf mich focussierte. Meine Begleitung kam aus dem Grinsen nicht heraus, nach ein paar Minuten wurde es jedoch auch für sie unangenehm. Dann die Erkenntnis: In Sanya habe ich tatsächlich noch niemals jemanden im Anzug gesehen. Klar, Hemd und Anzughose, passiert gelegentlich. Hemd und Kravatte ist selten, aber passiert schon mal. In voller Montur – niemals. Und wenn dann so ein Ausländer sich so präsentiert… also noch einmal werde ich das nicht tun. Ganz ehrlich: Das ist auch eine Frage der Sicherheit. Vielleicht interpretiere ich da auch zu viel, aber meine Wahrnehmung war nicht sehr angenehm und ich wurde nicht nur mehr als oft vor Überfällen hier gewarnt. Im Kreise meiner Kollegen gab es bereits mehrere Vorfälle, ich habe nicht vor mich da anzuschließen.
Mein Antrag auf den Wechsel nach Beijing wird geprüft, allerdings gehe ich von einem negativen Ergebnis aus. Zumindest bis März werde ich hier bleiben müssen, denn das Neujahrsfest im Februar erfordert so viele Arbeitskräfte wie nur möglich. Wäre auch so weit in Ordnung für mich, die Zeit verfliegt sehr schnell, aber die letzten 3 Monate meines Arbeitsvertrags würde ich schon gerne noch in einem Business-Hotel verbringen.
Ein anderes Problem bahnt sich woanders an: Mein Visum. Bis Februar habe ich noch ein Business-Visa vom Typ F. Wie ich nun aber mitbekommen habe, schränkt die chinesische Regierung die Arbeitsmöglichkeiten für ausländische Bewerber immer mehr ein und begrenzt die Ausgabe der Visa drastisch. Mein Trainee-Kollege aus Korea hat letzte Woche sein Visum für die letzten 3 Monate seines Trainings nur mit sehr, sehr, sehr viel Druck seitens des Hotels erhalten können und es wurde mir bereits angedeutet, dass es bei mir dann noch mehr Schwierigkeiten geben könnte. Naja, bis Februar ist noch viel Zeit, also Tee trinken und abwarten.
Am Dienstag ziehe ich in ein anderes Apartment um. Meine jetzige Bleibe wird vom Hotel nicht mehr gesponsert, da die Verträge ausgelaufen sind. Nun wurden neue Verträge in einem anderen Gebäude, jedoch in der gleichen Straße, geschlossen. Ich hoffe doch, dass ich Meerblick haben werde :- )
Ach, noch ein kurzer Hinweis: In China ist YouTube, Facebook etc. immer noch geblockt und selbst meine kleinen Anonymisierungstools funktionieren nicht mehr. Für jegliche Kommunikation also bitte E-Mail oder über diesen Blog, MSN und Skype ist auch OK.
Es geht weiter…
…es passiert hier viel, sehr viel. Ich kann natürlich nicht über Alles schreiben, Firmeninterna gehören auf keinen Blog… so viel möchte ich aber anmerken: Nächste Woche werde ich einen Antrag stellen, zu Beginn des Jahres nach Beijing versetzt zu werden.
China ist groß und hat viele Facetten. Ich kenne nun den ländlichen, ursprünglichen Teil und bin nicht wirklich begeistert. Es wächst der Drang, das neue, moderne China kennenzulernen und dafür gibt es für mich im Moment nur eine Wahl: Beijing, denn das Kempinski in Shanghai ist noch nicht fertiggestellt. Ob dieser Schritt vom Management begrüßt wird kann ich nicht beurteilen. Ich vermute eher nicht. Trotzdem werde ich da stark pushen. Bis zum Ende des Jahres sind es noch 2,5 Monate und die Zeit wird bei dem aktuellen Arbeitspensum und Projekten wie im Flug vergehen. Dann wird es allerdings auch Zeit für ein paar Veränderungen. Bloß keine Routine aufkommen lassen ;- )
Ein weiterer Grund ist, dass ich mich in einem Business-Hotel einfach wohler fühle. Resorts haben ihren Charme und sind sicher gut um mal durchzuatmen – aber irgendwo brauche ich einfach diesen „busy“ flair. Familienbetreuung ist auch nicht unbedingt meine Stärke zumal ich Kinder nicht wirklich leiden kann. Also, wie gesagt, ob es klappt weiß ich nicht, aber ich werde mich darum bemühen. Da kenne ich auch gleich spontan mindestens 3 Personen, die sich über den Wechsel freuen würden ;- )
Was ich mir allerdings durchaus gut vorstellen kann ist, in sagen wir 6-7 Jahren wieder hierherzukommen. Sanya ist zur Zeit einfach noch absolutes Entwicklungsland und ich will nicht abgehoben klingen, aber ich brauche einfach mehr Kultur, mehr Bildung, mehr… Zivilisation. Ich erinnere mich noch sehr genau wie ich manchmal in Berlin bei einem Glas Wein darüber nachgedacht habe, wie viel einfacher die Welt doch sein könnte. Jetzt ist es ausgerechnet die Komplexität der Großstadt und die Entwicklung der Moderne die Heimweh auslösen.
Dann noch nebenbei: Wer sich für das Studium eines Faches wie „Tourismus-Management“ interessiert, der kann ja mal einen Blick auf die Website meiner kleinen Schwester werfen, die sich scheinbar ein wenig von mir beeinflussen ließ und nun auch den Weg der Touristikbranche einschlägt: http://abenteuerwernigerode.wordpress.com/
Achja. Da gibt es ja noch etwas. Präsident Obama bekommt den Friendsnobelpreis. Ich werde nicht in die politische Diskussion einsteigen ob es denn nun gerechtfertigt ist oder nicht. Aber die heftigen Diskussion in Amerika zeigen doch sehr deutlich, wie umstritten der Präsident in seinem eigenen Land ist.
Nichts ist spannender als Wirtschaft
Wenn man in einem Land wie China lebt, kommt man nur selten in den Genuss ausgewogener und gut recherchierter Informationen zur Weltwirtschaft – zumindest in Sanya. Die einzige Englischsprachige Zeitung hier ist die „China Daily“ welche sicherlich nicht empfehlenswert ist. In den wenigen Bibliotheken und Büchereien findet sich nichts aktuelles (und nichts Englischsprachiges). Diskussionen oder Debatten mit Chinesen zu Themen wie Politik und Wirtschaft kann man sich getrost sparen. 95% der Chinesen verfügen nicht einmal über Grundlagenwissen zur Weltwirtschaft. 4% haben zwar das Grundwissen werden jedoch durch den Nationalstolz so geblendet dass man quasi schon nach dem dritten Satz bei „China wird alle überrollen“ ankommt. Die übriggebliebenen 1% sind einfach schwer zu finden. Soweit mein Eindruck. Zugegeben: Wirtschaftskompetenz ist auch in Deutschland nicht sehr hoch. Einer Allensbach-Umfrage zur Folge bewerteten 658 Top-Entscheider aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung das Volk als „ahnungslos“. Rund 87% aller Deutschen sollen „gar nicht gut“ oder „nicht gut“ Ahnung von Wirtschaft haben. Das aber nur mal am Rande ;- )
Wie sehr freut es da einen, wenn man als Gäste ein paar Geschäftsleute aus Deutschland antrifft, Wirtschaftsprüfer und Finanzberater, die einem dann mit einem dezenten Lächeln aktuelle Ausgaben meiner Lieblingsmagazine in die Hand drücken: Wirtschaftswoche, Spiegel, Capital. Ein „Stern“ und „Brigitte“ waren auch dabei…
Die Wirtschaftswoche habe ich in 2 Tagen verschlungen, was mir dunkle Augenringe bescherte. Es war jedoch sehr spannend zu lesen. Konkret ging es um die Ausgabe nr. 37 in der eine aktuelle Analyse zu den „besten Unternehmen der Welt“ durchgeführt wurde. Sehr plakative Überschrift und sicherlich würde ich da mein Gehalt nicht drauf verwetten – aber spannend zu lesen war es allemal. Allen voran hat Südkorea massiv die „Charts“ gestürmt. In nahezu allen wichtigen Branchen rangiert mind. 1 koreanisches Unternehmen unter den Top 10. Eine kurze Zusammenfassung:
Auto: Hankook – Platz 6
Chemie: OCI – Platz 1
Konsum: KT&G – Platz 1
Maschinen & Anlagenbau: Doosan Heavy Ind. – Platz 1
Rohstoffe: Posco – Platz 8
Mischkonzerne: LG – Platz 1
Gewertet wurden 6000 Unternehmen weltweit nach den Kriterien welches Unternehmen den meisten Wert für seine Anleger schafften und am sichersten durch die Wirtschaftskrise steuern konnte (kann). Da kann man sich nur respektvoll verbeugen. In allen Bereichen hat Südkorea bereits Japan ausstechen können und Deutschland war nur im Bereich „Auto“ (MAN – 5 Platz) besser. Unter den TOP 10 nicht vertreten war Südkorea lediglich in den Branchen „Medien“ und „Pharma/Medizintechnik“. Das freut doch das Herz eines jeden Koreanisten.
Ansonsten ist ja in den letzten Wochen auch viel passiert. Wahlen in Japan & Deutschland sind da wohl das wichtigste. Für beides empfehle ich eigentlich die Blogs anderer Spezialisten: Tabibito für Japan und Jan für Deutschland. Beide findet ihr rechts in meiner Linkliste. Von meiner Seite dazu also nur ein kurzes Kommentar:
Japan – wunderbar. Weg mit der alten Kruste und her mit der Neuen. So sehr ich den Wandel begrüße – es ist wieder eine Ein-Parteien-Herrschaft. Ich hoffe auf das beste, aber allzu viel erwarte ich eigentlich nicht…
Deutschland – ich mag Frau Merkel ganz und gar nicht, aber das Wahlergebnis gefällt mir. Hätte ich eine Stimme gehabt, dann wären das auch meine beiden Kreuze gewesen. 1. Um die SPD abzustrafen. Es ist allerhöchste Zeit, dass die Dinosaurier an der Spitze die Plätze räumen. 2. Die FDP wird hoffentlich nun endlich etwas mehr Wirtschaftskompetenz in die Sache bringen. Wie sehr wünsche ich mir für Deutschland ein modernes und simples Steuersystem. 3. Ich mag Guttenberg. Er macht einen ehrlichen Eindruck und wirkt überaus kompetent. Läßt sich nicht zu sehr von der alten Garde beeinflussen und geht den Weg, den er für richtig hält. Mein Wunsch wäre also, dass er auch Wirtschaftsminister bleibt, aber da wird die FDP wohl ein wenig gegensteuern wollen. Schauen wir mal.
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4 Monate und 1 Tag in Sanya. 1/3 meines Trainigs hier ist abgeschlossen. Das Oktoberfest in unserem Paulaner Restaurant wird begleitet von dem chinesischen „Mooncake-Festival“. Alle essen diese überdimensionalen, kuchenartigen Kekse und heute Nacht gibt es eine Versammlung am Strand, man zündet Kerzen und Knaller und feiert den Mond über den Wellen des Meeres.
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