klar laufen wir alle zum norden über
heute war ich wirklich ein wenig geschockt und im nachhinein bin ich nun auch etwas sauer. wie einige ja wissen gibt es bei uns an der uni einen kurs über den sprachgebrauch in nordkorea. wir analysieren satzkonstruktionen, schauen uns vokabeln an die man im süden gar nicht oder so in der form nicht verwendet und reden auch über die hintergründe. ich bin ja nun wahrlich niemand der sich für eine tiefe sprachanalyse interessiert, aber diesen kurs finde ich extrem sinnvoll, denn als angehende koreanisten ist es meines erachtens nach unsere pflicht über nordkorea mehr zu wissen als man eben aus der tageszeitung erfährt. dafür sind diese kenntnisse einfach notwendig und nicht viele studenten haben das glück experten auf diesem gebiet als lehrkräfte zu haben.
nun kommt ausgerechnet seitens der südkoreanischen botschaft und da speziell von der korea foundation ein seitenhieb, dass man sich doch sorgen mache. wir könnten ja die propaganda-texte fehlinterpretieren und das ganze in pro-nord-koreanische richtung umschlagen.
oh man. hält man uns denn für so blöd? wenn es irgendwo auf dieser welt ein land gibt, in dem man bereits im frühen alter propaganda und ihre wirkung sowie extremste folgen davon beigebracht bekommt, dann ist es ja wohl deutschland. auch bei allem respekt vor den interessenvertretungen eines landes, aber geht es nicht zu weit hier einer universität durch die blume vorschreiben zu wollen welchen unterricht sie anbieten darf? ist es nicht anmaßend uns studenten als nicht fähig sich eine eigene meinung zu bilden abzustempeln und uns dementsprechend den lehrinhalt vorschreiben zu wollen?
jap jap, ich reagiere grade ein wenig über, aber nur ein klein wenig. mein arbeitstag morgen in der botschaft verspricht einen höhepunkt und ich werde meinen hitzkopf da wohl kühl halten müssen, wobei bis dahin ist er sicher schon abgekühlt. besser wird es wohl auch sein da jetzt keinen großen aufstand zu machen, es ist ja auch nicht so dass wir irgendwas rechtfertigen müssten, aber ärgern tut es mich trotzdem.
wenn man sich das anschaut ist es auch irgendwie… deprimierend. es zeigt in einer gewissen art und weise in welche richtung ein teil der koreaner die im bereich „ausbildung von korea-experten“ verantwortlich sind (und nicht nur in dem bereich) denken. der ideale koreanist, so scheint es, ist ein konfuzius-zitierender-hangeul-anbeter der sich im geschichtlich-kulturellen bereich bestens auskennt und so viel forschung betreibt wie es nur geht um mehr einzigartige elemente der koreanischen kultur wissenschaftlich hervorheben zu können. an modernen problemen orientierte experten die aktiv auch etwas zur lösung gesellschafts- oder wirtschaftspolitischer probleme beitragen möchten und objektiv-neutral in der lage sind eine situation einzuschätzen scheint das interesse nicht sehr groß. das haben wir schon damals gesehen als die professur von herr frank uns verweigert wurde und nun das. ganz ehrlich, das macht so keinen spass. naja, noch ein semester…

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