Von Bruce Lee, Jackie Chan und dem genialsten Job der Welt
Ich weiß, ich habe euch lange zappeln lassen, aber tatsächlich hatte ich weder die Möglichkeit noch die Zeit um etwas schreiben zu können. Die Einrichtung des Internet zu Hause wird noch etwa eine Woche dauern und auf Arbeit habe ich weder die Zeit noch die Voraussetzungen, um mich über einen Proxy in andere Netze einzuloggen. Jetzt sitze ich gerade in einer sehr gemütlichen Stranbar mit WLAN, genieße ein kühles Bier und lausche zu den Live-Klängen einer ganz netten Band… aber mal alles von Anfang an. Nur schon mal um vorzuwarnen: Das wird ein längerer Beitrag, denn es gibt viel, sehr viel zu erzählen.
Der Flug von Beijing nach Sanya war ähnlich chaotisch wie auch schon der Flug von Berlin nach Beijing. Hainan Airlines… also so richtig vertrauen in die Airline habe ich immer noch nicht. Diesesmal war der Flug aber dennoch angenehmer. Der Grund ist, dass ich jemanden kennengelernt habe und naja, da war ich halt abgelenkt. Persönliche Dinge in diese Richtung möchte ich eigentlich nicht auf dem Blog veröffentlichen, wer mehr wissen will, der soll mir ne kurze Mail schreiben und dann gibts nen Sonderbericht per Mail. Ein weiterer Grund war der Anflug: Als ich aus dem Flugzeug herausschaute und den Kilometerlangen Strand sah, da verschlug es mir wortwörtlich die Sprache. Es sieht aus wie im PARADIES ! Die Luftfeuchtigkeit ist niedrig, weniger als in Korea um diese Zeit und die Hitze somit eigentlich nicht so tragisch. Ich komme jedenfalls sehr gut zurecht damit. Bei Ankunft wurde ich am Flughafen abgeholt und mit einem schicken Limousinenverschnitt ins Hotel gefahren und dem Front Office sowie Sales & Marketing Team vorgestellt.
Also erstmal zum Hotel: Ihr habt die Videos gesehen, es ist unglaublich! Ich poste bewusst keine Fotos. Wer schauen will wie das Hotel aussieht, der schaut sich einfach noch einmal die Videos an. Es sieht EXAKT so aus wie auf den Videos! 1:1!! Ehrlich, ich war noch niemals in einer so tollen Anlage! Nach den Formalitäten ging es dann zu meinem Appartment. Das Hotel hat mehrere Anlagen für seine Mitarbeiter. Da einige davon jedoch in der Nähe militärischer Anlagen liegen, dürfen Ausländer nur in ganz bestimmten Gegenden wohnen. Ich wohne also in der Stadt am Rande des City-Center. Das Appartment ist für 2 Personen eingerichtet und ich teile es mir mit einem Kollegen – einem Koreaner! Ein super korrekter Typ, der Hotel Management in der Schweiz studiert hat und ebenfalls wie ich ein Trainee ist, jedoch im Bereich F & B (Food & Beverage). Er kann aus diesem Grund sehr gut Englisch, hat zudem mehrere Jahre in China bereits verbracht wodurch er auch fließend Chinesisch spricht und natürlich Koreanisch als Muttersprache. Besser hätte ich es gar nicht treffen können! Das Appartment selbst ist etwa 50 qm groß, kleine Küche, kleines Dusch-Bad, kleiner Flur mit Tisch und Fernseher, kleines Schlafzimmer mit 2 Betten und allem was man braucht um das etwas Klamotten zu verstauen was man halt so dabei hat. Die Qualität kann sich durchaus sehen lassen. Die Appartment-Anlagen hier sehen um einiges besser aus als der Plattenbau in Korea. Allerdings muss man auch dazu sagen, dass das alles entweder neu ist. oder sich noch im Bau befindet. Tatsächlich ist die halbe Stadt noch eine Baustelle. Mein erster grober Eindruck: 1/4 der Stadrt besteht aus Hotels. 1/4 sind Hotels im Bau, 1/4 stellen Wohnanlagen für das Personal dar und das restliche Viertel ist dann für die Einheimischen.
Die Schere zwischen Arm und Reich klafft hier unglaublich stark auseinander. Der Großteil des Hotelpersonal stammt nicht von hier. Sie kommen aus ganz China, sind gut ausgebildet und verdienen verhältnismäßig nicht schlecht. Die Einheimischen dagegen sind wirklich bettelarm, viele sind arbeitslos, das Bildungsniveau ist miserabel. Demtentsprechend ist auch die Kriminalitätsrate sehr sehr hoch. Das betrifft nicht nur Diebstahl, sondern auch Gewaltdelikte die sich nicht nur gegen Ausländer richten, sondern allgemein gegen jeden der nicht von hier ist. Mir wird ständig sowohl von Vorgesetzten als auch Kollegen eingetrichtert, ich solle doch bitte egal wo ich hingehe und was ich mache sehr vorsichtig sein und am besten immer jemanden dabei haben. Tatsächlich wurde mein Mitbewohner auch nur einen Tag vor meiner Ankunft hier aufs übelste verprügelt, hinterrücks von 8 Personen als er sich am späten Abend einen gemütlichen Spaziergang erlauben wollte.
Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste und ich halte mich an einige der Regeln, lasse mich aber davon alles in allem nicht einschüchtern. Dafür ist es hier einfach viel zu schön. Mein Appartment ist nur 3 Minuten vom Kilometerlangen Strand entfernt. Theoretisch gesehen könnte ich jeden Tag die 18 KM zum Hotel den Strand entlang laufen. Die Bars sind gemütlich, überall Live-Musik, Drinks sind nicht teuer und von den paar Rüpeln mal abgesehen ist der Großteil der Menschen doch sehr nett und freundlich. Ein Lächeln und schon verschwinden fast alle Probleme. Mit einer Tasche sollte man aber abends tatsächlich nicht an den Strand…
Wie dem auch sei, kommen wir zu meinem Job und Alltag, wenn man das so nennen kann. Offiziell bin ich als Sales & Marketing Management Trainee eingestellt. Die ersten 3 Monate verbringe ich jedoch wieder im Front Office wie schon in Korea und erst danach ist der Wechsel ins Sales & Marketing geplant. So viel zur Theorie. Praxis sieht wiedermal ein wenig anders aus. Mein Chef „Jackie Chen“ (Die Namen verfolgen mich. In Korea hieß mein Chef Bruce Lee, hier heißt er Jackie Chen ^^ ) hat mich nach der ersten Einführung nochmal im Front Office separat vorgestellt. Da klang das alles dann auf einmal ein wenig anders. Meine Hauptaufgabe beruht auf 3 Faktoren. Schulung des Personal in Service und Englisch, Ausbau und Verbesserung der Guest Relations mit Schwerpunkt auf ausländischen Gästen und direktes Reporting zum Front Office Manager in sämtlichen Angelegenheiten die zur Verbesserung der Kundenbeziehungen beitragen können. Meine Bankausbildung, all meine Praktika, alle meine anderen Jobs werden hier voll anerkannt. Ich wurde vorgestellt als ein in vielen Branchen erfahrener Service-Experte und stehe nur 2 Stufen unter dem obersten Front-Office-Manager. Viele der durch den FOM (Front Office Manager) geplanten Projekte und Maßnahmen zur Schulung des Personals oder Marketingmaßnahmen werden direkt mir unterstellt werden, ich werde aktiv an der Gestaltung neuer Projekte beteiligt und auch ermutigt selbst Entwicklungsarbeit zu leisten. Vom ersten Tag an bekomme ich einen Haufen Verantwortung zugesteckt. Heute wurden meine Visitenkarten bestellt. Mein Titel darauf ist „Guest Relations Officer“.
Das hört sich nicht nur toll an, das ist genial! Ich bin in einem traumhaften Hotel und verbringe meine Zeit hauptsächlich damit mit Gästen und Personal zu sprechen, aufgenommenes zu protokollieren und versuche daraus dann Ideen und Verbesserungsmaßnahmen zu entwickeln. Jackie hat jedoch noch wesentlich mehr mit mir vor. Nach dem ersten Monat werde ich ebenfalls in die Kalkulationsgrundlagen, Finanzierungskonzepte und so weiter eingeführt. Mein Wechsel in das Sales & Marketing Department wird ein fließender Übergang, denn Guest Relations Management gehört ins Sales & Marketing genauso mit rein. Vertragsgesteltung, Verhandlungsführung und Kooperationen mit Airlines, Regierungsapparaten, anderen Hotels etc. werden genauso zu meinem Geschäftsfeld gehören wie das alltägliche Gespräch mit den Stammgästen. Wenn ich dieses Jahr erfolgreich überstehe, kann ich mich wirklich auf so einiges karrieretechnisch freuen. So weit ich die Situation bisher beurteilen kann, hätte ich es tatsächlich nicht besser treffen können. Es ist einfach perfekt!
Auch muss dazu noch gesagt werden, dass Sanya unglaubliches Potenzial bietet. Die Stadt ist quasi gerade dabei von „Entwicklungsland“ zu „Paradies“ aufzusteigen und in 3-5 Jahren wird das Ganze hier ein echtes Paradies, sowohl für Bewohner als auch für Touristen.
So, nun der Alltag. Die Verantwortung birgt natürlich einige Punkte in sich, die nicht verschwiegen werden dürfen. Die erste Woche bin ich jetzt immer um 7 Uhr morgens aufgestanden, nahm dann um 7:45 den Bus zur Arbeit um dann um 8:35 mit der Arbeit zu beginnen. Nach Hause bin ich an kaum einem Tag vor 20 Uhr gefahren. Die Reguläre Arbeitszeit verbringe ich damit mit Gästen und Mitarbeitern Gespräche zu führen. Danach wird alles protokolliert und erste Ideen und Verbesserungsansätze vermerkt, sowie Kurzberichte an den FOM gesendet. Dann setze ich mich meistens noch daran, Ideen aus Gesprächen mit den Kunden weiterzuentwickeln. Beschwerden oder Kritikpunkte über mich nicht betreffende Bereiche leite ich an Kollegen weiter, mit denen ich mich direkt abgesprochen habe. Dann können sie daran arbeiten, bevor das Management sie zur Schnecke machen kann. Zu Hause angekommen und geduscht verbringe ich die restlichen 30 Minuten vor dem Schlaf damit Chinesisch zu lernen. Im Marketing werde ich das auf jeden Fall gut gebrauchen können. Mit den Kollegen und Vorgesetzten komme ich bestens zurecht und alle unterstützen mich auch mit aller Kraft beim Chinesisch-Lernen und allen anfallenden Aufgaben.
Abends wenn ich mit dem Firmenbus der direkt vor meiner Haustür hält nach Hause fahre, steige ich meistens eine Station später aus und laufe dann am Strand entlang zurück. Das Meerwasser ist immer angenehm warm, geschätzte 25 Grad im Moment. Bars und kleine Cafés vermitteln eine angenehme Atmosphäre. Man sieht auch abends oft Gruppen von Chinesen die entweder Kampfsport wie Tai-Ji oder traditionelle Volkstänze die ein wenig an „Hula-Mädchen“ erinnern üben… es ist wirklich angenehm.
Kurz zusammengefasst: Der Job ist perfekt. Meine Situation hier ist trotz kleiner Mackel wie „Sicherheit“ hervorragend. Die Insel bietet alles was man eigentlich nur von Postern und Plakaten aus der Karibik kennt. Die vielen Arbeitsstunden sind OK, denn es ist meine Entscheidung. Niemand erwartet es von mir. Ich mach es einfach, weil ich da wirklich Spass daran habe. Das Hotel ist der Traum, die Kollegen einfach toll. Es geht mir sehr gut :- )
Ich schlag mich in meinen Blogs mit Weltwirtschaftskrise rum und nun so was! ^^
Hi
Lese seit geraumer Zeit deinen Blog und muss sagen, es freut mich zu hören wie du voran kommst. Mach weiter so
grüße
Hehe Glueckwunsch! Bist ja jemand, der an seinen Aufgaben waechst und gern arbeitet, insofern wirst du da sehr schnell Erfolg haben..
P.S: In Korea gibt es um diese Jahreszeit exakt gar keine Luftfeuchte…das kommt doch alles erst im Juli/August
Im Moment ist hier Traumwetter, seit Wochen 30 Grad, Sonne und angenehmer Wind ㅋㅋㅋ
Heyyy na wird ja auch langsam wirklich Zeit für einen Bericht. Nach diesem Artikel ist man ja noch neidischer als vorher, vor allem wenn man bedenkt, dass in Berlin gerade mal 14° draußen sind, du hast also das gute wetter mitgenommen


Das mit der Kriminalität ist natürlich beängstigend…aber wozu hast du so lange kampfsport gemacht, dass du dich nicht verteidigen kannst
Ich würde trotzdem gerne ein paar Fotos sehen und der Extra Bericht interressiert mich auch
Alles Liebe
Waaaaaaaaaaaah, das klingt toll und spannend!
lol, zum „angenehmen“ Flug, wieso wusste/ahnte ich gleich, was war? Meine Phantasie spielte gleich verrückt
hach ich freu mich so fuer dich, dass das alles so super gekommen ist. haette dich wohl echt nicht besser treffen koennen. so kannst du sogar weiter koreanisch sprechen! hoffe, werde spaeter auch son glueck haben
)) ach und ich gehoere natuerlich zu denjenigen, die eine email erwarten
)
HÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ!?!?!? Welches Video!?!?!?
@Tom: Schau mal hier: http://jaycup.wordpress.com/2009/05/17/zum-relaxen/
@Jan: Argh, ja stimmt. Verdammt, ich war schon zu lange nicht mehr in Korea :- ) 아이…그리워…
@Rest: Ich hoffe es macht ein wenig Spass mitzulesen. Leider werde ich jetzt nicht so oft posten können wie früher, dafür ist der Job zu fordernd. Weitergeführt wird der Blog aber auf jeden Fall :- )
hach, wie schoen, ich freu mich fuer dich!
und ja. der extra bericht interessiert mich natuerlich auch
(somit hab ich einen von 7 deiner posts endlich gelesen kk. oh und deine mail muss ich auch noch..
)