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Was man an China nicht mögen muss…

So, nach all den positiven Nachrichten der letzten Einträge dachte ich mir, dass es nun an der Zeit wäre auch etwas negatives zu berichten. Es geht mir hier hervorragend und ich genieße meinen Job so weit in vollen Zügen. Kann es noch gar nicht fassen, dass ich schon mehr als 2 Wochen hier bin… aber nicht alles ist Gold was glänzt.

Das erste woran ich wirklich meckern möchte ich das Essen. Chinesische Küche ist sehr vielfältig denn China ist einfach riesig. Das Essen auf Hainan ist deftig und würzig. Für meinen Geschmack ist die Küche hier jedoch viel zu fettig, es gibt hier kaum scharfe Gerichte, kaum Knoblauch. Fisch und Seafood esse ich gerne und auch das gibt es hier reichlich, aber alles einfach zuuuu fettig zubereitet. Ich vermisse scharfe, kochend-heiß aufgetischte Suppen wie in Korea oder die eleganten Kombi-Menüs aus Japan. Chinesen essen Alles und ich meine auch ALLES. Wenn man etwas auf den Teller bekommt ist es mit Knochen, Greten, Füßen und Köpfen und so ziemlich alles davon landet dann auch im Mund. Mit der Zunge wird dann schon fast akrobatisch das Verwertbare abgetrennt, in den Magen befördert und der nicht verwertbare Rest wieder ausgespuckt. Es ist sehr gut, dass ich vorher die China-Knigge gelesen habe in der diese Vorgänge bereits ausführlich dokumentiert wurden. Ich war darauf vorbereitet und komme deshalb damit auch gut zurecht. Toll finde ich das aber wirklich nicht. Alle Knigge-Regeln die ich mir vorher für das Hotel angelesen habe besitzen hier quasi einen Wert von Null – zumindest solange ich mit Chinesen zu tun habe.

Der zweite Punkt an dem ich mich wirklich störe ist die Hygiene. In der Regel esse ich im Hotel, an meinen freien Tagen erkunde ich jedoch auch Restaurants und kleinere Gästehäuser in der Gegend. Es ist aber wirklich sehr schwer einen Ort zu finden, der einigermaßen sauber ist. Von der Hygiene auf Toiletten will ich gar nicht erst anfangen. Ich kenne 2 kleine und günstige Restaurants in meiner Gegend die gut und günstig sind, aber ansonsten gebe ich doch recht gerne 20-30 yuan mehr aus um dann essen aus einer vernünftigen Küche mit sauberen Tellern aufgetischt zu bekommen. Chinesen selbst trauen ihrer eigenen Hygiene auch nicht. Hierzu folgende Geschichte:

An meinem ersten Tag in Sanya hatte ich auch sogleich das Vergnügen auf einer Geburtstagsparty zu landen und in ein Restaurant ausgeführt zu werden. Es war ein typisches Hainan-Food Restaurant und nur durch Einheimische besucht. Kaum an den Tisch gesetzt wurde sogleich Tee serviert. Da ich furchtbar durstig war, nahm ich sogleich einen Schluck und da er recht gut schmeckte trank ich gleich die ganze Tasse. Dann erst bemerkte ich, was meine Begleiter machten: Der Tee wurde in dem Becher ein paar mal hin und her geschüttelt, dann nahm man die Stäbchen und hielt sie kurz hinein. Daraufhin wurden die Stäbchen in eine kleine Schüssel gestellt und der Tee aus der Tasse an den Stäbchen entlang in die Schüssel geschüttet, so dass die Stäbchen komplett von allen Seiten einmal durch den Tee befeuchtet wurden. Dann wurde die Tasse umgedreht und mit dem Boden nach oben zeigend in den in der Schüssel vorhanden Tee gestellt, ein paar mal hin und her gedreht und dann wieder herausgenommen. Auch den Suppenlöffel tauchte man kurz in die Schüssel und drehte ihn so, dass jede Seite einmal durch den Tee ging. Der nun „schmutzige“ Tee aus der kleinen Schüssel wurde dann in eine große in der Mitte des Tisches stehende Schüssel gekippt und nachdem alle dieses Ritual hinter sich hatten kam der Kellner und entfernte diese. Dann wurde neuer Tee gebracht der dann auch zum Trinken gedacht war. Die gesamte Prozedur diente der Desinfektion des Geschirrs, denn wie mir eindeutig klar gesagt wurde, soll man chinesischen Küchen was die Sauberkeit angeht nicht trauen. Mir wurde zwar versichert, dass der Tee den ich getrunken habe genau der gleiche war der auch nach der „Reinigung“ geliefert wurde aber… naja… so schnell tritt man ins Fettnäpfchen :- )

Tja…. mehr negative Punkte fallen mir jetzt erstmal nicht ein. Dafür gibt es noch viel zu viel positives, was mein allgemeines Befinden prägt. Offiziell Urlaub kann ich erst nach 6 Monaten Arbeit nehmen, das würde also Dezember bedeuten. Ich werde jedoch vorher schon im Oktober versuchen nach Korea für ca. eine Woche zu gehen. Meinen offiziellen Urlaub werde ich dann nutzen um mehr von China zu sehen. Das tolle ist, dass ich als Mitarbeiter bei Kempinski gewisse Vorteile genieße, was Aufenthalte in anderen Kempinski-Hotels angeht. Diese werde ich dann auch bis zum Maximum ausschöpfen ^ ^

Arbeit läuft im Moment auch Klasse. Einige meiner Ideen und Vorschläge wurden vom oberen Management aufgenommen und zwecks Umsetzung zur Diskussion angesetzt, ich fange an mich immer sicherer in meiner Position zu fühlen und auch mit Kollegen läuft alles wunderbar. Tatsächlich habe ich hier trotz meines Trainee-Status bereits eine niedrige Management-Stelle an der jedoch ein schneller Aufstieg möglich sein sollte, wenn ich nur hart genug arbeite und zur Verbesserung des Service hier beitragen kann. Toll ist auch, dass ich bereits einige meiner Erfahrungen aus Korea mit einbringen konnte. Die vielen Gespräche mit meinem ehemaligen Chef haben sich bereits mehr als ausgezahlt… es freut mich auch besonders, dass viele Gäste doch recht offen ihre Meinung mit mir teilen und sehr konstruktiv Vorschläge unterbreiten. Wieviel davon dann am Ende verwertbar und umsetzbar ist, das ist natürlich eine andere Frage. Ich lerne hier unheimlich viel und… es macht Spass :- ) Na gut, so viel erstmal dazu. Ich werde mich jetzt mal mit Vokabeln ins Bett legen, morgen hab ich frei und da gehts erstmal an den Strand, schwimmen, sonnen, Kokosmilch schlürfen und Ananas am Spieß futtern :- )

Kategorien:China, arbeit, eigenarten
  1. 15. Juni 2009 um 20:11 | #1

    Aber Jakub, jetzt schockst Du mich aber… Genau das gleiche Stäbchen-in-Teetassen-Ritual hatten wir auch im Aroma gemacht!!! Tzzzzz…

    Hatte ich Dir schon mal erzählt, dass wir immer ins Hotel gegangen sind, um unsere Geschäfte zu verrichten? Nein, somit habe ich es Dir erzählt *lol*

  2. 17. Juni 2009 um 00:04 | #2

    also die geschichte mit den staebchen hab ich in meinem jahr in china nirgends beobachten koennen :) . dass man die teetasse mal eben ausspuelt ja, aber nicht das mit den staebchen. also auch was neues fuer mich :)
    vllt ist das auch eher so eine art ritual…

  3. 18. Juni 2009 um 02:52 | #3

    @linh & nuya
    Stimmt, ich erinnere mich dunkel… allerdings gehe ich doch stark davon aus, dass das in einem Restaurant wie dem „Aroma“ eher ne Formsache/Ritual ist. Hier ist das quasi überlebenswichtig :- )

  4. jinie
    18. Juni 2009 um 11:41 | #4

    also als ich in hong kong war, haben die das auch alle sehr gruendlich gemacht. mit staebchen, loeffeln, schuesseln… und mit der serviette noch nachpoliert kk.

  5. 8. Juli 2009 um 11:45 | #5

    Ein sehr interessanter Artikel. Sollten Sie noch weitere Informationen haben – wurde ich mich freuen

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