Kulturschock? Hmmmm….
Meine beiden Artikel mit der Überschrift „Was man an China nicht mögen muss“ haben ja schon eine Andeutung in die Richtung Kulturschock gemacht. Wieder sind einige Dinge anders, wieder muss man sich umstellen, wieder hat man so seine Schwierigkeiten… aber eigentlich ist es gar kein Kulturschock. Warum? Weil unter den Zuständen hier eigentlich niemand mehr leidet, als die Chinesen selbst.
Den Titel „die Rüpel Asiens“ habe ich glaube ich schon vor ein paar Wochen den Koreanern abgenommen und an die Chinesen weitergereicht. Chinesen sind vom gesamten Verhalten wirklich sehr rücksichtlos, jeder kümmert sich absolut nur um seine Nase. Interessanterweise ist es aber auch genau das, worüber sich doch sehr viele Chinesen beschweren. Die älteren vermissen die Zeiten in denen Tugend und Hilfsbereitschaft über dem Egoismus standen. Das ist bei uns wohl nicht viel anders. Die jüngeren hier sind aber auch relativ verstimmt was die Zustände angeht. Der Chaos im Verkehr ist für die meisten ein Problem, denn die Rücksichtslosigkeit auf den Straßen fordert viele Opfer. Ich habe in den 4 Wochen hier nahezu täglich Unfälle gesehen oder von Unfällen mitbekommen. Täglich.
Chinesische Kunden beschweren sich überall, dass sie vom Personal in Restaurants oder Hotels schlechter behandelt werden als Ausländer. Wenn man sich allerdings anschaut wie diese Leute mit dem normalen Angestellten hier umgehen, dann frage ich mich ernsthaft, warum sie sich über die „Gegenleistung“ wundern. War es nicht Konfuzius der sagte: „Was du nicht willst das man dir tu, das füge keinem Andern zu“? Meckern tun beide Seiten. Die Angestellten wollen keine chinesischen Kunden bedienen, weil sie es satt sind wie Dreck behandelt zu werden und chinesische Kunden beschweren sich über den gegenüber den Ausländern schlechteren Service. Es ist ein Teufelskreis.
Die Armut zwingt die Leute zu Zweckgemeinschaften und auch sonstigen Eingeständnissen, aber die riesigen Einkommensunterschiede sind mehr als auffällig und verursachen Unmut. Natürlich ist es frustrierend für einen Angestellten zu sehen, dass so mancher Kunde mehr Geld an einem Tag ausgibt als man selbst in zwei Monaten verdient. Wenn das ein Ausländer tut, dann geht es noch, denn Ausländer gelten ja gemeinhin als reich. Wenn allerdings ein Chinese mit dem Geld nur so rumschmeisst, dann weckt das schon unbehagen.
Das sind alles Dinge, die einen doch merken lassen, wie weit China noch in der Entwicklung zurück liegt. Wie auch schon einer meiner Kollegen meinte: Die Hardware zu wechseln ist leicht. Gib den Leuten moderne Komputer, neueste Autos, Wolkenkratzer, etc. und schon kann man sich als neue Weltmacht schimpfen. Die jedoch ebenfalls notwendige Veränderung des Bewusstseins, die notwendig ist um das volle Potenzial der Hardware ausschöpfen zu können, die benötigt einfach… Zeit. Ich habe das gleiche über Korea im Vergleich zu Japan gesagt. Korea hängt Japan locker 30 Jahre hinterher – China ist aber auch nochmal locker 30-50 Jahre hinter Korea in der Hinsicht.
Movie-Cup
So, jetzt aber mal was ganz anderes: Ich habe mir gestern Transformers 2 angeschaut und ich muss schon sagen… nicht schlecht. Teilweise zwar etwas zuuu abgedreht und einige Schnitte sind einfach so gemacht, dass man nichts auf dem Bildschirm erkennt, aber so insgesamt macht der Film schon Eindruck. Wahnsinn was mit der heutigen Technik alles möglich ist… und Optimus Prime mit 2 Schwertern ist der schiere Wahnsinn :- )
Dummerweise kann ich von China aus keine Bilder uploaden und auch keine Youtube-Videos implementieren… deswegen muss diese kurze Beschreibung reichen. Für alle Kampfsportfans noch eine Info: Es gibt bald eine neue Verfilmung von Streetfighter allerdings dreht sich die Story rund um den Character „Chun-Li“. Die Preview sieht sehr vielversprechend aus, aber die überaus reizende Hauptdarstellerin hat leider gar keine Kampfsporterfahrung und auch der Oberbösewicht ist nur ein gemeinhin bekannter Hollywood-Schläger, so dass ich die Befürchtung habe, dass der gesamte Film nur eine einzige Special-Effekt-Show wird mit erschreckend wenigen guten Kampfsportelementen. Kennt man ja schon aus anderen Filmen wie „V – Violett“ oder „Electra“… andererseits kann es nicht viel schlimmer werden als die erste Verfilmung mit Jean-Claude van Damme in der Rolle von Captain Guile… hach, was Kampfsportfilme angeht gibt es doch nichts über das gute alte HongKong-Kino…
Genau das ist es, warum ich teilweise Probleme habe.
3000 Yuan teuren Tee protzerisch mit mir trinken und nach einem Schluck auf dem Boden rotzen und laufend andere Mütter begrüßen – das passt für mich einfach nicht zusammen.
Schlimmer finde ich die „Neu-Reichen“:
Immer jammern, wie schlimm sie früher behandelt wurden, weil sie ja arm waren und genau das gleiche machen, was sie bemängelt haben: z. B. andere anranzen, den Kellner nicht angucken, während sie sie befehlen usw usf.
Ich bin der Meinung, die Hardware ändert sich für sie viel zu schnell.
Sind interessante Beobachtungen…die sich lustigerweise mit meinen ‘educated vorurteilen’ decken, wenn auch sicher die tiefe der beobachtung eine andere ist…
mich interessiert vor allem die politische dimension des ganzen…ich mein, was du da beschreibst, das ist die lebensrealitaet fuer 70-80% der Menschheit, insofern traurigerweise nichts wirklich ‘krasses’, wenn man mal die gesaettigte industrienationsbrille abnimmt…
ist es denn in china deiner meinung nach einfach so, dass die leute zu beschaeftigt sind mit ueberleben, um aufzumucken oder liegt es daran, dass der ‘gegner’ undefiniert ist, also man die missstaende nicht mit der kp in verbindung bringt?
Ich würde mal behaupten, dass der chinesische Nationalismus und Kapitalismus sich gegenseitig die Waage halten. Der Kapitalismus zeigt sich hier von seiner schlechtesten Seite, wird aber durch den tief verwurzelten Nationalismus in Schach gehalten. Einem Chinesen mag es noch so dreckig gehen, aber solange er seine Familie durchbringen kann, dann freut er sich über den Erfolg seines Vaterlandes. Man will nichts daran ändern oder aufmuppen, weil man einfach die Befürchtung hat, dass es dann wieder einen Rückfall zu den Zuständen von vor 10 oder 15 Jahren kommen könnte – was ja auch nicht ganz falsch ist.
Was die Politik direkt angeht… so ist die Präsenz der KP schon wirklich überall deutlich spürbar. Internet ist da noch das kleinste Beispiel. Zeitungen, Fernsehen – alles zensiert. Man sieht des öfteren Militärpatrouillen, egal wo man hingeht und was man macht, alles muss bei Behörden registriert werden… Big Brother is watching you. Also ich muss ehrlich sagen: So viele Leute haben mir vor der Reise gesagt, dass man China den Kommunismus nicht mehr anmerkt, aber das kann ich nur abweisend zurückgeben. Ich fühle mich hier schon irgendwie dauernd beobachtet…