Heutzutage ist es ja quasi Kultur Geld sparen zu wollen. Geld sparen und weniger ausgeben sind aber zwei komplett unterschiedliche Dinge. Es hört sich zwar toll an, wenn eine Broschüre damit wirbt, dass man 20% “sparen” kann. Letztendlich spart man aber nicht 20%, sondern gibt 20% weniger aus als es der ursprüngliche Preis vermuten ließ. Der Unterschied ist gewaltig, denn wenn man Geld spart hat man es auf dem Konto. Wenn man 20% weniger ausgibt als ursprünglich vermutet, so gibt man immer noch Geld aus – und hat es eben nicht auf dem Konto, es landet auf dem Konto einer anderen Person.
In der Hotellerie wird auch viel gespart und insbesondere in der 5-Sterne-Kategorie hat sich eine sehr seltsame Praxis eingebürgert. Reiseagenturen und Hotels selbst machen oft die unterschiedlichsten Angebote und senken manchmal den Preis auf ein Niveau, das eigentlich kaum vertretbar ist. Die Klientel die damit angelockt wird sind oft die “Sparer”, die sich natürlich darüber freuen einen günstigen Urlaub in einem Luxushotel abgreifen zu können. Soweit passt es für beide Seiten. Was ich jedoch nicht wirklich nachvollziehen kann, sind die Erwartungen die dann an das Hotel gesetzt werden. Hier mal ein paar Beispiele:
Kostenfreie Unterbringung in einer höheren Zimmerkategorie
Aus welchem Grund sollte das Hotel ohne Aufpreis dem Gast eine höhere Zimmerkategorie anbieten? Mit dem Service hat das nichts zu tun, denn man bekommt in der Regel die Kategorie, die man auch gebucht hat. Gelegentlich wenn bestimmte Kategorien überbucht werden kann es schon vorkommen, dass man ein besseres Zimmer zugeteilt bekommt, aber das zählt zu Ausnahmefällen. Es ist schon ganz schön unverfroren das einfach einzufordern ohne eine Gegenleistung erbringen zu wollen. Beim Flug ist ein kostenfreier Sitz in der Business-Class auch keine Selbstverständlichkeit, oder?
Kostenfreie Früchte, Wein, Abendessen, etc.
Wenn man sich anschaut wie viel Essen und Trinken in Hotels täglich über die Theken und Tische wandern, bekommt man leicht das Gefühl, dass Alles in Überfluss vorhanden ist. In tropischen Ländern hat man manchmal Kokospalmen direkt am Strand und Mangobäume gleich hinterm Zaun. Da kann man schnell auf den Gedanken kommen “Das brauchen die ja nur zu pflücken, sollte doch für den Gast auch gratis drin sein”.
Die Hotellerie ist mittlerweile ein knallhartes Geschäft. Jede Flasche Wein, jedes Glas Sekt und jede Banane die aufs Zimmer geschickt wird ist budgetiert. Am Ende des Monats steht der Abteilungsmanager vor der Hotelleitung und muss sich für jeden ausgegebenen Cent rechtfertigen. Es ist eben nicht “mal einfach eine Flasche Wein” oder “einen Obstteller aufs Zimmer schicken.” Nicht jeder kann auf eine Kokospalme klettern und auch die Arbeitszeit des “Pflückers” muss vergütet werden.
Besondere Behandlung wegen Flitterwochen
Die Flitterwochen sollen ein toller Anfang in das Eheleben sein und selbstverständlich freut sich jedes Hotel mit dem Gast über eine Hochzeitsreise. Aber: Wenn man mit seinem Partner/Partnerin den Schritt in die Ehe wagt, dann ist es sicherlich nicht der beste Anfang gleich an der Hochzeitsreise sparen zu wollen. Wer das billigste Zimmer bucht und nicht bereit ist für eine Flasche Wein Geld auszugeben, der braucht sich nicht wundern, wenn die Reise nicht ganz so traumhaft verläuft. Tipp: Die meisten Hotels haben spezielle Angebote für Hochzeitsreisende und wer sichergehen möchte, dass die Reise ein Erfolg ist, der sollte das entsprechend planen. Insbesondere finanziell.
Hotels sind flexibler als viele andere Branchen, aber letztendlich geht es auch einem Hotel um eines: Geld verdienen. Das erreicht man leider nicht nur dadurch, dass die Gäste glücklich sind. Finanzplanung und Kostenkontrolle sind ebenfalls immens wichtig. Ein Manager der nur die Gäste glücklich macht, aber die Budgetziele der Hotelleitung regelmäßig verfehlt wird leider nicht lange Manager bleiben. Die Balance ist sehr wichtig, doch in Zeiten in denen “sparen” eine Lebenseinstellung geworden ist, ist diese Balance nicht immer einfach zu halten. Daher ein kleiner Appell: Sparen ist eine gute Sache. Etwas mehr Geld für etwas auszugeben was einem Freude bereitet ist jedoch ebenfalls nicht verkehrt. Man sollte immer bedenken, dass jeder Cent den man selbst nicht bereit ist auszugeben auf der anderen Seite von einer anderen Person bezahlt werden muss. So viel Egoismus, egal von welcher Seite, kann auf Dauer nicht gesund sein.
Comments on: "Sparsamkeit kennt keine Grenzen" (1)
Wo war das letztens, bei The Body Shop oder so. Ich will eine Handcreme kaufen, die Verkäuferin sagt: “Aber wenn Sie drei Produkte kaufen, kriegen Sie das günstigste gratis!”
Klar, und gleichzeitig habe ich denen noch ein Produkt mehr abgekauft, als ich eigentlich brauche. ^^;
Ich bin doch nicht Herr Lohse aus “Pappa Ante Portas!” XD