China-Business
Hat eventuell jemand schon etwas von dem Hydropolis Projekt in Dubai gehört? Eine recht gewaltige Sache – es geht um ein Unterwasserhotel. So weit ich gehört habe, hat die Finanzkrise dem Projekt einen Rückschlag versetzt, aber wenn das fertig ist, dann gibt es etwas zum Staunen. Der Designer/Architekt/Projektleiter des Ganzen ist ein gewisser Herr Hauser, Joachim Hauser um genau zu sein. Das mal nur so als Information für alle, die sich für Außergewöhnliches interessieren. Einfach mal googlen.
Mein Transfer nach Beijing wird leider nicht klappen. Das habe ich nun offiziell von der regionalen Kempinski Leitung in China. Nunja, ich habe damit gerechnet, somit hält sich die „Trauer“ in Grenzen. Begeistert bin ich aber natürlich nicht. Was solls, ein Jahr ist schneller vorbei als man denkt und wie einen das Leben ja schon des öfteren gelehrt hat: Alles hat seinen Sinn, auch wenn man den Kern nicht immer auf Anhieb erkennt. Ich arrangiere mich also mit der Situation und mache weiter wie bisher, allerdings muss ich zugeben, dass mein Elan ein wenig nachgelassen hat und wie ein paar Kollegen bereits festgestellt haben, hat sich meine Einstellung etwas verändert. Gut, dass meine Vorgesetzten nun nicht darüber froh sind, dass ich keine 3-4 Überstunden täglich hinlege wie vorher – das ist nachvollziehbar.
Nun aber wie versprochen etwas zu chinesischen Unternehmensmethoden. In der Nähe unseres Hotels macht nun ein neues, chinesisches Hotel auf. Im Moment ist das pre-opening, das bedeutet, dass das gesamte Personal dort geschult wird, erste Reservierungen akzeptiert werden und alles darauf vorbereitet wird, in 2-3 Monaten einen erfolgreichen Start hinzulegen. Ich habe aber nicht schlecht gestaunt, als ich eine E-Mail mit den Bildern der Zimmer des Hotels gesehen habe: Eine detailgetreue 1:1 Kopie unserer Zimmer.
Kürzlich frage mich ein Kollege um einen Gefallen. Ich solle doch mal in Europa bei einem Herrn anrufen und nur mal fragen, ob ihm die zugesandten Bilder gefallen und was er von dem Preis halten würde. Es ging wohl um einen Möbelversand eines Freundes dessen Freund wiederum das Ganze aufzieht und sich um europäische Kunden bemüht. Ein Blick auf die Bilder der Möbel ließ mich geschockt zurück: Es handelte sich um 1:1 Kopien von Ikea. Selbst die Namen der Möbel hatte man nicht verändert.
Es ist schon erschreckend wie skrupellos hier alles kopiert und geistiges Eigentum geklaut wird. Die Qualität bleibt dabei leider noch weit auf der Strecke zurück. Das ist allerdings natürlich nur eine Frage der Zeit. Japan und Korea haben ähnliche Wege bereits hinter sich und die Ergebnisse können sich ja nun durchaus sehen lassen.
Waren ausländische Unternehmen noch bis vor kurzer Zeit ganz scharf darauf nach China zu kommen, hat sich das Klima nun grundlegend verändert. Man ist sichtlich vorsichtiger geworden und so mancher Geschäftsmann bevorzugt die teurere koreanische oder gar japanische Konkurrenz – da stimmt die Qualität und es gibt mittlerweile zumindest so etwas wie einen Unternehmenskodex an den man sich grob hält. In China gibt es den ebenfalls – unter Chinesen. Als Ausländer bleibt man da immer außen vor und egal wieviele Biere oder Vodka man zusammen getrunken hat – man sollte sich niemals auch nur einbilden mit einem chinesischen Geschäftsmann befreundet zu sein. Der Großteil der Erfahrungen von Geschäftsleuten in China ist in der Hinsicht einfach zu negativ.
Ich möchte dazu anmerken, dass das nicht komplett meine Meinung, sondern nur die Wiedergabe gesammelter Erfahrungen von ausländischen Geschäftsleuten in China ist, mit denen ich schon zahlreiche Gespräche geführt habe.
In China ist irgendwie alles anders und das aus dem einfachen Grund, weil China so riesig und überbevölkert ist. Die gleiche Argumentation wird übrigens auch für so ziemlich alle Probleme Chinas als Entschuldigung verwendet. Das Einkommensgefälle ist bereits jetzt gewaltig und nur ein minimaler Teil der Bevölkerung gehört zu den Profiteuren. An Qualität ist hier noch nicht wirklich jemand interessiert. Der Grund ist ja auch leicht erklärt: Wer zum Beispiel vorher so etwas wie einen Flaschenöffner nicht einmal kannte auf einmal einen in der Hand hält, dann ist es ihm/ihr völlig egal ob dieser aus Plastik, Metal oder Holz ist. Es ist auch egal, ob man den Plastik-Öffner nach dem Öffnen der Flasche bereits wegwerfen kann. Das stört keinen. Die Qualität ist egal, hauptsache man hat es. Bildung spielt ebenfalls eine untergeordnete Rolle. Geschätzt wird Geld, nicht Bildung. Ich bin mir nicht sicher welcher Theoretiker das geschrieben hatte, aber an China sieht man wirklich den Kapitalismus von seiner häßlichsten Seite…
Tja, aber wie lange das hier noch gut geht ist eine Frage. Was Tourismus angeht kann ich klar sagen: China ist bereits in einer negativen Entwicklung. Warum? Weil China einfach zu teuer wird. Die neuen Reiseländer Asiens heißen Vietnam und Kamboscha. Indonesien und Thailand sind immer noch beliebt und günstiger als China (zumindest Sanya). Hinzu kommt, dass China als „Reich der Mitte“ auch nicht als romantischer Zufluchtsort etc. gilt. Die Chinesen gelten allgemein als weniger freundlich als Thailänder oder Indonesier. Die Servicestandards sind in China niedriger und so lange langfristige Investition und Qualität nicht auf den Projekten großgeschrieben werden, so lange wird sich hier auch nichts positives entwickeln. Der Großteil der chinesischen Investoren und Firmeneigentümer bevorzugen tatsächlich einmalige große Gewinne anstatt sich einen guten Namen und regelmäßige hohe Einnahmen zu sichern. Langfristige Planung kennt man hier einfach nicht. Das ist schon manchmal deprimierend sich das mitanschauen zu müssen… schauen wir mal wie lange das gut geht.
Ein Grund dafür mag wohl in den fehlenden Regelungen für Besitz- und Eigentum liegen. Es gibt NICHT EIN Gesetz zu diesen Punkten. Ich habe mich ja immer gewundert, warum so mancher BMW oder Mercedes Fahrer hier in absoluten Dreckslöchern (verzeiht bitte den Ausdruck) wohnen, aber der Grund ist schnell erklärt: Auch wenn jeder Chinese gerne ein Haus/Wohnung kaufen will. Nach 50 bzw. 70 Jahren muss das gekaufte wieder zurückgegeben werden. Nachlass für Kinder? Gibts nicht. Und sollte mal jemand in der Politik beschließen eine Autobahn durch das Gebiet zu bauen und das neu erworbene Objekt auf der geplanten Strecke liegen, dann ist man das Ganze noch schneller los – Kompensation ist dann reine Glückssache. Also ich werde mein Geld sicherlich nicht hier versickern lassen. Tja, wenn man also nichts wirklich besitzen kann, dann kann da auch kein Interesse an einer langfristigen Investition oder Instandhaltung bestehen.
Umwelt. Oft erwähnt. Immer noch stark unterschätzt. Es gibt in China mittlerweile wohl mehr als einen „gelben“ Fluss. Ich würde einfach mal behaupten, es gibt hier nicht mehr auch nur einen Fluss, in dem man sein Kind baden sehen möchte. Wasserversorgung ist dementsprechend ein Problem. Die Wüsten Chinas wachsen ebenfalls. Nahrungsmittelversorgung wird langsam zum Problem, von Energie wollen wir nicht sprechen. Es hat schon seinen Grund, dass man sich Rußland als „guten Freund“ hält. Die neue Energiemacht der Welt sollte man sich auch schön warm halten.
Jaja, nach langer Zeit wieder viele negative Worte. Ich bin immer noch kein Freund Chinas. Ich habe leider auch die Befürchtung, dass sich das nicht mehr groß ändern wird, aber schauen wir mal. Man sollte ja niemals „nie“ sagen. ;- )
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