Die Chinesen haben meine Zeitschriften…
Also das konnte ich nun beim besten Willen nicht fassen. Gestern hat mich eine treue Leserin meines Blog und jahrelange Freundin hier in Sanya besucht. Da das halbwegs geplant war, hatte ich sie gebeten mir etwas Lektüre mitzubringen. Handelsblatt, Spiegel, Wirtschaftswoche, Focus Money, Capital etc. standen auf meiner Wunschliste. Einige dieser Titel befanden sich dann auch tatsächlich in ihrem Koffer – allerdings nicht mehr als sie in Sanya ankam. Ich war einfach nur baff zu hören, dass ALLE Zeitschriften konfisziert wurden.
Also wirklich… Facebook ist seit Monaten gesperrt, Google nur bedingt einsatzfähig, WordPress, Blogspot nur über Tricks und Tarnprogramme erreichbar, Fachliteratur in Büchereien kaum vorhanden und nun nehmen die mir sogar meine Lieblingszeitschriften weg… ich fühle mich immer mehr und mehr von der Welt isoliert. Einfach nur schlimm.
Damit ist es aber nicht vorbei. Wie ich immer stärker feststelle, schottet sich China vom Rest der Welt mehr und mehr ab. Die Hotels hier haben jedenfalls Ausländer als Zielgruppe für Tourismus von ihren Budgets gestrichen. Die Gründe sind vielfältig. Zunächst einmal ist China mittlerweile teuer. Sanya ist teuer, Hongkong ist teuer, Beijing und Shanghai sind auch nicht günstig und selbst auf dem Land wird so viel getrickst und gemurkst, dass man selbst dort oft mehr Geld läßt, als man es ursprünglich vorhatte. Da die Qualität hier in fast allen Bereichen auch eher nur mittelmaß ist, geht man doch lieber entweder in bewährte Gebiete wie Thailand oder Indonesien. Da stimmen die Preise und die Qualität. Wenn man sich doch lieber ein Entwicklungsland anschauen möchte dann geht man dagegen in ein „richtiges“ Entwicklungsland wo die Grenzen noch klar gezogen sind. Vietnam, Kambodscha, Laos. Da ist es noch so billig, dass man sich sogar freiwillig über den Tisch ziehen läßt und die Qualität hinkt der chinesischen nicht weit hinterher.
Ein anderer Grund mag sein, dass Chinesen Ausländer nicht wirklich brauchen. Bei 1,3 Mrd. Menschen die auch noch dazu nur schwer ihr eigenes Land verlassen können ist der inländische Reisemarkt noch längst nicht gesättigt. Mit Chinesen ist es einfacher Geschäfte zu machen, da man ja die eigene Mentalität kennt, man versteht sich, jeder weiß was man erwarten kann und wo die Grenzen liegen. Es ist eben einfacher.
Was fällt einem da als Expat als erstes in den Gedankengang? „Wofür brauchen die mich dann noch hier?“ Ja. Richtig. Gebraucht wird man hier schon noch, denn dafür läuft hier noch zu vieles daneben. Standardisierung von Prozessen, Einführung effizienter Arbeitsweisen und Methoden, Ideen und natürlich jede Menge Wissen aus dem Ausland – das kann man hier schon noch gebrauchen. Sicherlich auch noch eine ganze Weile, aber es hinterläßt schon einen sehr bitteren Geschmack im Mund zu merken, dass man ja eigentlich nur ausgebeutet wird. Klar, wäre mein Gehalt besser würde ich nicht meckern, aber auch wenn ich für chinesische Verhältnisse gut verdiene – als Student in Korea ging es mir mit den 1-2 Nebenjobs besser.
Also für mich steht das schon fest. 1 Jahr China, dann wars das. Meinen Vertrag werde ich erfüllen, es sei denn natürlich ich bekomme ein einmaliges super-Angebot in Korea oder den USA. Dann ist das aber auch das Ende meiner China-Reise. Dann bin ich auch gespannt, ob mir Kempinski woanders etwas anbieten kann. Hach… was lese ich jetzt nun…
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