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Die Chinesen haben meine Zeitschriften…

12. Dezember 2009 jaycup 1 Kommentar

Also das konnte ich nun beim besten Willen nicht fassen. Gestern hat mich eine treue Leserin meines Blog und jahrelange Freundin hier in Sanya besucht. Da das halbwegs geplant war, hatte ich sie gebeten mir etwas Lektüre mitzubringen. Handelsblatt, Spiegel, Wirtschaftswoche, Focus Money, Capital etc. standen auf meiner Wunschliste. Einige dieser Titel befanden sich dann auch tatsächlich in ihrem Koffer – allerdings nicht mehr als sie in Sanya ankam. Ich war einfach nur baff zu hören, dass ALLE Zeitschriften konfisziert wurden.

Also wirklich… Facebook ist seit Monaten gesperrt, Google nur bedingt einsatzfähig, WordPress, Blogspot nur über Tricks und Tarnprogramme erreichbar, Fachliteratur in Büchereien kaum vorhanden und nun nehmen die mir sogar meine Lieblingszeitschriften weg… ich fühle mich immer mehr und mehr von der Welt isoliert. Einfach nur schlimm.

Damit ist es aber nicht vorbei. Wie ich immer stärker feststelle, schottet sich China vom Rest der Welt mehr und mehr ab. Die Hotels hier haben jedenfalls Ausländer als Zielgruppe für Tourismus von ihren Budgets gestrichen. Die Gründe sind vielfältig. Zunächst einmal ist China mittlerweile teuer. Sanya ist teuer, Hongkong ist teuer, Beijing und Shanghai sind auch nicht günstig und selbst auf dem Land wird so viel getrickst und gemurkst, dass man selbst dort oft mehr Geld läßt, als man es ursprünglich vorhatte. Da die Qualität hier in fast allen Bereichen auch eher nur mittelmaß ist, geht man doch lieber entweder in bewährte Gebiete wie Thailand oder Indonesien. Da stimmen die Preise und die Qualität. Wenn man sich doch lieber ein Entwicklungsland anschauen möchte dann geht man dagegen in ein „richtiges“ Entwicklungsland wo die Grenzen noch klar gezogen sind. Vietnam, Kambodscha, Laos. Da ist es noch so billig, dass man sich sogar freiwillig über den Tisch ziehen läßt und die Qualität hinkt der chinesischen nicht weit hinterher.

Ein anderer Grund mag sein, dass Chinesen Ausländer nicht wirklich brauchen. Bei 1,3 Mrd. Menschen die auch noch dazu nur schwer ihr eigenes Land verlassen können ist der inländische Reisemarkt noch längst nicht gesättigt. Mit Chinesen ist es einfacher Geschäfte zu machen, da man ja die eigene Mentalität kennt, man versteht sich, jeder weiß was man erwarten kann und wo die Grenzen liegen. Es ist eben einfacher.

Was fällt einem da als Expat als erstes in den Gedankengang? „Wofür brauchen die mich dann noch hier?“ Ja. Richtig. Gebraucht wird man hier schon noch, denn dafür läuft hier noch zu vieles daneben. Standardisierung von Prozessen, Einführung effizienter Arbeitsweisen und Methoden, Ideen und natürlich jede Menge Wissen aus dem Ausland – das kann man hier schon noch gebrauchen. Sicherlich auch noch eine ganze Weile, aber es hinterläßt schon einen sehr bitteren Geschmack im Mund zu merken, dass man ja eigentlich nur ausgebeutet wird. Klar, wäre mein Gehalt besser würde ich nicht meckern, aber auch wenn ich für chinesische Verhältnisse gut verdiene – als Student in Korea ging es mir mit den 1-2 Nebenjobs besser.

Also für mich steht das schon fest. 1 Jahr China, dann wars das. Meinen Vertrag werde ich erfüllen, es sei denn natürlich ich bekomme ein einmaliges super-Angebot in Korea oder den USA. Dann ist das aber auch das Ende meiner China-Reise. Dann bin ich auch gespannt, ob mir Kempinski woanders etwas anbieten kann. Hach… was lese ich jetzt nun…

Kategorien:China, arbeit, eigenarten

Haikou

7. Dezember 2009 jaycup 1 Kommentar

Ich bin vor wenigen Stunden aus Haikou wiedergekommen. Ich muss sagen, dass ich sehr positiv überrascht wurde. Das ist ja eine richtige Stadt. Hochhäuser, Parks, Shoppingmalls, unzählige Restaurants mit Ambiente und Coffe-Shops. Dazu ist Haikou direkt am Meer gelegen und viele Kanäle und Flüsse verleihen ihr dank alter Brücken sogar so etwas wie einen romantischen Touch. Die Strassen sind sauber, der Verkehr wirkt geregelt, es wird weniger gehupt als in Sanya und auch weniger gespuckt. Ich habe mich sofort wohl gefühlt. Endlich wieder eine Großstadt. Meine ersten Schritte führten mich in ein Fachgeschäft für Bücher und auch hier wurden meine Erwartungen nicht enttäuscht: RIESIG!!! Das sah schon aus wie der Kyobo bookstore in Seoul. Englisch – Deutsch. Ich habe wieder etwas zum Lesen!!

Fortbildung ist immer ein Thema. Da ich mich jetzt mit Überstunden zurückhalte und auch sonst jede Ecke von Sanya kenne, habe ich etwas mehr Zeit zum Lernen. Dementsprechend habe ich mir einführende Literatur zu Architektur und Moderner Kunst gekauft. Dazu Kurzgeschichten zur chinesischen Kulturgeschichte und weil man nie genug Zitate haben kann, besitze ich nun auch ein Buch mit den „50 most impressive speeches in the world“. Das dürfte für 1-2 Monate reichen. Wenn ich damit durch bin, dann kann ich wieder einen Ausflug nach Haikou machen.

Die Rückkehr nach Sanya wann dann wieder ernüchternd. Kaum stieg ich aus dem Bus wäre ich schon beinahe in eine dieser roten, widerlichen, Kaunusspfützen getreten, die hier mit Vorliebe von Bus- und Motorradfahrern überall verteilt werden. Die Huperei von allen Seiten ließ meine Adern anschwellen und ich war heilfroh dann wieder in meinem Apartment zu sein. Bald ist Weihnachten, dann Neujahr… und dann sind es nur noch 5 Monate bis zur Rückkehr zur Zivilisation.

Ich muss leider auch etwas gestehen. Ich kann mich mit der chinesischen Mentalität beim besten Willen nicht anfreunden. Mängel an logischen Folgedenken, Geldfixiert, unflexibel, schlecht informiert, stark nationalistisch und ohne jegliches Interesse für Geschehnisse in anderen Teilen der Welt – das passt einfach nicht. Das Alles könnte ich aber verkraften, wenn das Essen besser wäre. Ist es aber nicht. Ein Grund warum ich Haikou ebenfalls sehr genossen habe ist, dass ich am ersten Abend bei einem sehr guten Koreaner gegessen habe und am zweiten Abend sehr gute japanische Küche kosten durfte. Ein Genuss ohne Gleichen nach 6 Monaten chinesischer Inselküche… Es gibt ja diesen Spruch: Für das volle Glück benötigt ein Mann in Asien 3 Dinge: Eine japanische Ehefrau, einen koreanischen Bodyguard und einen chinesischen Koch. Kann ich so leider nicht stehen lassen. Ich würde wahrscheinlich den Chinesen gegen einen Thailänder tauschen.

Übrigens muss ich auch noch dazu sagen, dass es hier erstaunlich viele dicke Chinesen und auch viele mit schlechter Haut gibt. Damit will ich jetzt nur auf den Punkt der gesunden Küche anspielen. Ich behaupte einfach mal, dass die japanische und koreanische Küche wesentlich gesünder sind. Geschmack ist dann wiederum ein anderes Thema ;- )

Kategorien:China

Es gibt Tage…

2. Dezember 2009 jaycup Kommentieren

…da denkt man sich, dass eine 5-Tage-Woche doch einfach nicht gut ist. Wie soll man sich denn vernünftig um seine Gäste kümmern, wenn man 2 Tage in der Woche frei hat und diese zudem auch nehmen muss, um nicht allzu viele Überstunden vor Neujahr aufzubauen. Das sind die guten Tage. Man löst Probleme, man erntet Dankbarkeit seitens der Gäste, bekommt Komplimente auf den Feedback-Bögen und die Chefs klopfen einem anerkennend auf die Schulter. An solchen Tagen merkt man am Abend gar nicht, dass man bereits seit 4 Stunden in dem Bus nach Hause hätte sitzen sollen. Wenn man dann doch zu Hause ankommt sprüht man immer noch von Energie und guter Laune…

Es sind nun heute exakt 6 Monate her seit ich nach Sanya gekommen bin. Es gab viele gute und auch ein paar schlechte Tage, aber das Wichtigste ist, dass ich mich in meiner Berufswahl bestätigt sehe. Hotelarbeit macht einfach Spaß. Die vielen Menschen die man kennenlernt, die Erfahrung die man sammelt, die ständig wechselnden Herausforderungen und immer wieder neue Aufgaben – das gleicht schon die mit anderen Branchen verglichen doch niedrigen Gehälter beinahe aus. Die Nachteile sind aber auch nicht zu verkennen: Schichtarbeit ist noch nie guter Freund von Beziehungen gewesen und internationale Karrieren können die stärkste Liebe auseinanderreißen… Alles hat eben seinen Preis.

Tja, die Zeit ist sehr schnell verflogen und bei einem kurzen Blick auf meinen Kalender gestern ist mir aufgefallen, dass ich ja „nur“ noch 22 Wochen hier habe. Wie schnell die vergehen ist ja wohl vorauszusehen und dementsprechend habe ich meinen Lebenslauf wieder einmal auf Hochglanz poliert und beginne nun mit den Vorbereitungen für die nächsten Karriereschritte.

Am Samstag mache ich eine kurze Reise nach Haikou, die Hauptstadt von Hainan im fernen Norden der Insel. Mit 1,8 Mio. Einwohnern ist das nach deutschen Maßstäben bereits eine Großstadt. Es gibt dort eine Universität und direkte Verbindungen zum Festland. Damit erhoffe ich mir doch einen etwas höheren Standard zu sehen als in Sanya…

Kategorien:China, arbeit

Größenwahn

26. November 2009 jaycup Kommentieren

Was hat uns in den letzten Jahren immer wieder geschockt und beeindruckt? Die arabischen Emirate. Kein Projekt zu waghalsig, keine Fantasie zu gesponnen und nichts unmöglich. Riesige Hotels mit goldenen Kloschüsseln? In Dubai ist das möglich. Künstliche Inseln? Gekühlter Sand am Strand? Eine Skipiste in der Wüste? Neue „Funktionsstädte“ die sich quasi komplett selbst mit Energie versorgen und dabei den größten Luxus bieten? Da wo Öl ist, da ist das auch möglich. Dazu kamen Finanzierungsbeteiligungen quer durch den Globus und jegliche Unternehmensart. Wo die Scheiche auftauchten wußte man einfach, dass es nun um Geld geht. Richtiges Geld und davon richtig viel. Nun – wie das Handelsblatt und die Tagesschau berichten, ist jetzt auch diese Illusion fällig.

Den Emiraten droht die Zahlungsunfähigkeit? Ist es wirklich so tragisch? Nicht ganz, aber gut sieht es nicht aus. Von wirklicher Zahlungsunfähigkeit ist man noch etwas entfernt, aber die Finanzkrise erwischt nun auch die „untouchables“, oder ist es gar nicht die Krise? Fakt ist: Ein wenig Größenwahn kann man den Damen und Herren der Emirate schon unterstellen. Für die Finanzierung all der Projekte sind Geldsummen geflossen, die sich Unsereins wohl kaum vorstellen kann. Wohin eigentlich und wofür genau? Man will gar nicht zählen, wieviel Geld wortwörtlich im Sand und im Meer versunken wurde.

Der Immobilienmarkt in Dubai ist so überhitzt, dass ein Ende der Rally eigentlich von Jederman erwartet wird – nur so lange man daran verdienen konnte wollte sich keiner zurückhalten. Was bezahlt man für eine Wohnung in Dubai? Eine Menge, aber warum eigentlich? Wer lebt schon gerne mitten in der Wüste in einem Gebiet so heiß, dass man ohne ein Auto mit intakter Klimaanlage nirgends hin kann und wo selbst der Strand gekühlt werden muss, damit man ihn mit Schuhen (!) betreten kann?

Jetzt werden die Karten aber Stück für Stück aufgedeckt und wir dürften gespannt sein, welche weitere Überraschung da auf uns zukommt. Vorbei ist es mit der Krise noch lange nicht… den Nahen Osten streiche ich aber vorerst wieder von meiner „Dort-Will-Ich-Arbeiten“-Liste.

Frauen in Asien

25. November 2009 jaycup 1 Kommentar

Ich mag keine Gender-Themen. An der Uni habe ich immer einen großen Bogen um das Thema gemacht und jeder der sich dieses Fachgebiet auf seine Fahnen geschrieben hatte wurde von mir eher skeptisch beäugt. Wenn man nun aber schon eine Weile in Asien in unterschiedlichen Ländern lebt/gelebt hat, dem fallen doch einige Unterschiede nicht nur zu Europa auf. Als ich also kürzlich den „Global Gender Gap Report 2009“ durchblätterte (mein Dank an Tabibito für den Link) war ich gar nicht so überrascht.

134 Länder hat man untersucht im Bezug auf die Situation/Rolle der Frauen mit folgenden Ergebnissen die ich als für diesen Blog von hoher Relevanz hervorheben möchte:

Platz 12: Deutschland
Platz 31: USA
Platz 50: Polen
Platz 60: China
Platz 75: Japan
Platz 115: Südkorea

Die Details kann man sich gerne HIER anschauen. Wer sich dunkel an meine ersten Einträge aus China erinnert, dem wird vielleicht noch ein Beitrag im Gedächtnis geblieben sein, in dem ich bereits die stärkere Rolle der Frau in China erwähnt habe. Die Unterschiede sind deutlich spürbar und jetzt hab ich es auch sogar offiziell.

Etwas überrascht über das schlechte Abschneiden Südkoreas war ich aber doch. Die Hauptgründe für die schlechte Wertung waren die geringe Beteiligung der Frauen in der Politik und die deutlich schlechteren Berufschancen in der Wirtschaft. Bekannte Themen und auch von mir bereits oft erwähnt, dass die Lage aber sooo schlecht ist, war mir dann doch nicht bewusst. Damit ist Südkorea nach dieser Liste schon beinahe mit Iran oder Pakistan in der selben Liga. Südkorea hat eigentlich sehr strenge Gesetze zur Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft, strenger als in Deutschland. Trotzdem scheint sich das nicht durchsetzen zu wollen… und da muss man etwas tiefer in die koreanische Gesellschaft blicken, um dieses Phänomen verstehen zu können. Ich werde meine eigenen Theorien dazu hinterm Zaun halten. Ist ein wenig zu heikles Thema und ich bin in dem Gebiet sicherlich nicht qualifiziert für eine Aussage. Kommentare sind aber durchaus willkommen.

Kategorien:China, Japan, Korea