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China-Business

7. November 2009 jaycup 2 Kommentare

Hat eventuell jemand schon etwas von dem Hydropolis Projekt in Dubai gehört? Eine recht gewaltige Sache – es geht um ein Unterwasserhotel. So weit ich gehört habe, hat die Finanzkrise dem Projekt einen Rückschlag versetzt, aber wenn das fertig ist, dann gibt es etwas zum Staunen. Der Designer/Architekt/Projektleiter des Ganzen ist ein gewisser Herr Hauser, Joachim Hauser um genau zu sein. Das mal nur so als Information für alle, die sich für Außergewöhnliches interessieren. Einfach mal googlen.

Mein Transfer nach Beijing wird leider nicht klappen. Das habe ich nun offiziell von der regionalen Kempinski Leitung in China. Nunja, ich habe damit gerechnet, somit hält sich die „Trauer“ in Grenzen. Begeistert bin ich aber natürlich nicht. Was solls, ein Jahr ist schneller vorbei als man denkt und wie einen das Leben ja schon des öfteren gelehrt hat: Alles hat seinen Sinn, auch wenn man den Kern nicht immer auf Anhieb erkennt. Ich arrangiere mich also mit der Situation und mache weiter wie bisher, allerdings muss ich zugeben, dass mein Elan ein wenig nachgelassen hat und wie ein paar Kollegen bereits festgestellt haben, hat sich meine Einstellung etwas verändert. Gut, dass meine Vorgesetzten nun nicht darüber froh sind, dass ich keine 3-4 Überstunden täglich hinlege wie vorher – das ist nachvollziehbar.

Nun aber wie versprochen etwas zu chinesischen Unternehmensmethoden. In der Nähe unseres Hotels macht nun ein neues, chinesisches Hotel auf. Im Moment ist das pre-opening, das bedeutet, dass das gesamte Personal dort geschult wird, erste Reservierungen akzeptiert werden und alles darauf vorbereitet wird, in 2-3 Monaten einen erfolgreichen Start hinzulegen. Ich habe aber nicht schlecht gestaunt, als ich eine E-Mail mit den Bildern der Zimmer des Hotels gesehen habe: Eine detailgetreue 1:1 Kopie unserer Zimmer.

Kürzlich frage mich ein Kollege um einen Gefallen. Ich solle doch mal in Europa bei einem Herrn anrufen und nur mal fragen, ob ihm die zugesandten Bilder gefallen und was er von dem Preis halten würde. Es ging wohl um einen Möbelversand eines Freundes dessen Freund wiederum das Ganze aufzieht und sich um europäische Kunden bemüht. Ein Blick auf die Bilder der Möbel ließ mich geschockt zurück: Es handelte sich um 1:1 Kopien von Ikea. Selbst die Namen der Möbel hatte man nicht verändert.

Es ist schon erschreckend wie skrupellos hier alles kopiert und geistiges Eigentum geklaut wird. Die Qualität bleibt dabei leider noch weit auf der Strecke zurück. Das ist allerdings natürlich nur eine Frage der Zeit. Japan und Korea haben ähnliche Wege bereits hinter sich und die Ergebnisse können sich ja nun durchaus sehen lassen.

Waren ausländische Unternehmen noch bis vor kurzer Zeit ganz scharf darauf nach China zu kommen, hat sich das Klima nun grundlegend verändert. Man ist sichtlich vorsichtiger geworden und so mancher Geschäftsmann bevorzugt die teurere koreanische oder gar japanische Konkurrenz – da stimmt die Qualität und es gibt mittlerweile zumindest so etwas wie einen Unternehmenskodex an den man sich grob hält. In China gibt es den ebenfalls – unter Chinesen. Als Ausländer bleibt man da immer außen vor und egal wieviele Biere oder Vodka man zusammen getrunken hat – man sollte sich niemals auch nur einbilden mit einem chinesischen Geschäftsmann befreundet zu sein. Der Großteil der Erfahrungen von Geschäftsleuten in China ist in der Hinsicht einfach zu negativ.

Ich möchte dazu anmerken, dass das nicht komplett meine Meinung, sondern nur die Wiedergabe gesammelter Erfahrungen von ausländischen Geschäftsleuten in China ist, mit denen ich schon zahlreiche Gespräche geführt habe.

In China ist irgendwie alles anders und das aus dem einfachen Grund, weil China so riesig und überbevölkert ist. Die gleiche Argumentation wird übrigens auch für so ziemlich alle Probleme Chinas als Entschuldigung verwendet. Das Einkommensgefälle ist bereits jetzt gewaltig und nur ein minimaler Teil der Bevölkerung gehört zu den Profiteuren. An Qualität ist hier noch nicht wirklich jemand interessiert. Der Grund ist ja auch leicht erklärt: Wer zum Beispiel vorher so etwas wie einen Flaschenöffner nicht einmal kannte auf einmal einen in der Hand hält, dann ist es ihm/ihr völlig egal ob dieser aus Plastik, Metal oder Holz ist. Es ist auch egal, ob man den Plastik-Öffner nach dem Öffnen der Flasche bereits wegwerfen kann. Das stört keinen. Die Qualität ist egal, hauptsache man hat es. Bildung spielt ebenfalls eine untergeordnete Rolle. Geschätzt wird Geld, nicht Bildung. Ich bin mir nicht sicher welcher Theoretiker das geschrieben hatte, aber an China sieht man wirklich den Kapitalismus von seiner häßlichsten Seite…

Tja, aber wie lange das hier noch gut geht ist eine Frage. Was Tourismus angeht kann ich klar sagen: China ist bereits in einer negativen Entwicklung. Warum? Weil China einfach zu teuer wird. Die neuen Reiseländer Asiens heißen Vietnam und Kamboscha. Indonesien und Thailand sind immer noch beliebt und günstiger als China (zumindest Sanya). Hinzu kommt, dass China als „Reich der Mitte“ auch nicht als romantischer Zufluchtsort etc. gilt. Die Chinesen gelten allgemein als weniger freundlich als Thailänder oder Indonesier. Die Servicestandards sind in China niedriger und so lange langfristige Investition und Qualität nicht auf den Projekten großgeschrieben werden, so lange wird sich hier auch nichts positives entwickeln. Der Großteil der chinesischen Investoren und Firmeneigentümer bevorzugen tatsächlich einmalige große Gewinne anstatt sich einen guten Namen und regelmäßige hohe Einnahmen zu sichern. Langfristige Planung kennt man hier einfach nicht. Das ist schon manchmal deprimierend sich das mitanschauen zu müssen… schauen wir mal wie lange das gut geht.

Ein Grund dafür mag wohl in den fehlenden Regelungen für Besitz- und Eigentum liegen. Es gibt NICHT EIN Gesetz zu diesen Punkten. Ich habe mich ja immer gewundert, warum so mancher BMW oder Mercedes Fahrer hier in absoluten Dreckslöchern (verzeiht bitte den Ausdruck) wohnen, aber der Grund ist schnell erklärt: Auch wenn jeder Chinese gerne ein Haus/Wohnung kaufen will. Nach 50 bzw. 70 Jahren muss das gekaufte wieder zurückgegeben werden. Nachlass für Kinder? Gibts nicht. Und sollte mal jemand in der Politik beschließen eine Autobahn durch das Gebiet zu bauen und das neu erworbene Objekt auf der geplanten Strecke liegen, dann ist man das Ganze noch schneller los – Kompensation ist dann reine Glückssache. Also ich werde mein Geld sicherlich nicht hier versickern lassen. Tja, wenn man also nichts wirklich besitzen kann, dann kann da auch kein Interesse an einer langfristigen Investition oder Instandhaltung bestehen.

Umwelt. Oft erwähnt. Immer noch stark unterschätzt. Es gibt in China mittlerweile wohl mehr als einen „gelben“ Fluss. Ich würde einfach mal behaupten, es gibt hier nicht mehr auch nur einen Fluss, in dem man sein Kind baden sehen möchte. Wasserversorgung ist dementsprechend ein Problem. Die Wüsten Chinas wachsen ebenfalls. Nahrungsmittelversorgung wird langsam zum Problem, von Energie wollen wir nicht sprechen. Es hat schon seinen Grund, dass man sich Rußland als „guten Freund“ hält. Die neue Energiemacht der Welt sollte man sich auch schön warm halten.

Jaja, nach langer Zeit wieder viele negative Worte. Ich bin immer noch kein Freund Chinas. Ich habe leider auch die Befürchtung, dass sich das nicht mehr groß ändern wird, aber schauen wir mal. Man sollte ja niemals „nie“ sagen. ;- )

Kategorien:China, arbeit

Halbzeit

2. November 2009 jaycup 2 Kommentare

Noch nicht ganz. Heute ist der 2. November und somit bin ich jetzt exakt 5 Monate in Sanya. Ging an sich recht schnell vorbei die Zeit. Bleiben noch 7 Monate in China. Wenn jemand Monat für Monat so genau zählt, dann kann man erahnen, welchen Hintergrund das haben kann… naja, später mehr dazu.

Ich habe meinen Blog ein wenig vernachlässigt. Das lag hauptsächlich an meinem neuen Apartment und der Verlegung des Internets, welches jedoch bis heute nicht einsatzfähig ist. Die neue Wohnung ist etwas kleiner als die vorherige, machte jedoch auf den ersten Blick einen besseren Eindruck. Wirkte qualitativ hochwertiger. Dieser Eindruck wurde sogleich am ersten Tag zerstört – Wasser- und Stromausfall für 3 Tage und natürlich dauerte die Instandsetzung nur in unserem Gebäude so lange. Die moderne Gegensprechanlage mit Kamera ist nur zur Zierde dort und die vielen Schalter im Flur, welche rund 6 verschiedene Stromkreisläufe für die kleine Einzimmerwohnung vermuten lassen, ändern nichts an dem Fakt, dass scheinbar die Stromleitungen komplett ohne einen Spannungsstabilisator installiert wurden. Anders läßt sich das Flimmern des Lichts und die Notwendigkeit, bereits nach einer Woche zwei Halogenleuchten auswechseln zu müssen nicht erklären. Immerhin, ich blicke nun nicht mehr auf eine Baustelle, sondern schaue in die Apartments Anderer hinein. Kein Meerblick, aber vor allem kein Baulärm. Das nehme ich doch als Pluspunkt. Näher zum Strand und zur Strandbar ist es auch.

Was meine Versetzung nach Peking angeht, sieht es nicht allzu gut aus. Ich pushe noch nicht zu stark, ist ja noch Zeit. Da sich aber die für mich Zuständigen nicht wirklich zu Wort melden wollen, vermute ich ein negatives Ergebnis. Ich formuliere es mal so: Auch OK. Habe ein paar Gespräche mit einigen berufserfahrenen Hoteliers geführt und ich werde den Rat, mir meine Karriere nicht durch die paar Unannehmlichkeiten (oder Personen) hier kaputt machen zu lassen, beherzigen. Meine Ideen, Vorstellungen und Pläne behalte ich für mich. Was sich hier machen läßt wird gemacht. Professionell und effektiv. Insgesamt fahre ich aber den bisher betriebenen Aufwand herunter. Ich fühle mich nicht genug wertgeschätzt für die vielen Überstunden.

Gerade in letzter Zeit konnte ich einige weitere interessante Kontakte aufbauen. Wo es mich nach dem Jahr in China führen wird steht noch in den Sternen. Ich habe aber einen ersten Business-Kontakt nach Boston (USA) aufbauen können. Polen (Krakau & Warschau, Danzig) ist nun auch in beruflicher Reichweite, Korea eh schon lange auf dem Plan und der nahe Osten lockt ebenfalls mit Perspektiven. Persönlich denke ich, dass es an der Zeit wird, Asien für eine Weile zu verlassen. Mehr internationale Erfahrung in Kombination mit zwei weiteren Beförderungen und dann kann ich mich womöglich auf ein Land für einen längeren Zeitraum fokussieren.

Nun aber zu anderen Themen. Mein letzter Eintrag bescherte mir eine Rekordleserzahl von 196 an nur einem Tag. Sollte ich öfter über Hochzeiten schreiben?

Dann habe ich gelesen, dass es zur Markteinführung von Windows 7 in Japan bei Burger King einen „Windows 7 Whopper“ gab – mit 7 Schichten Fleisch. Hat den zufälligerweise einer meiner Leser gesehen oder gar verdrückt?? Ich wäre sehr interessiert an Details dazu ;- )

Und wo wir bei Fast-Food sind mal was zu Fast-Food in China. Ich muss sagen, ich bin kein Feind von Fast Food und in Sanya ist das beste Frühstück für europäischen Gaumen natürlich bei McDonalds. Die europäische Frühstückskultur trifft glaube ich nirgends in Asien auf Freunde. McDonalds und KFC spielen aber neben dieser, auch eine andere wichtige Rolle in China. Sie geben den Ton in der regionalen Entwicklung an. Für viele Chinesen sind die genannten Ketten tatsächlich ein Muster an Modernität und neuem Lebensgefühl. Saubere Küchen, modernes Design, Klimaanlagen, moderne und standardisierte, effiziente Arbeitsabläufe – das sind keine Selbstverständlichkeiten. Also wenn jemand eine Diplomarbeit zu dem Thema schreiben möchte, ich glaube das wäre doch sehr interessant und ich bitte um eine Kopie.

Dann noch ein Fernsehtipp: Hotel Babylon. Wenn die Serie nicht in Deutschland läuft, dann bleibt wohl nur YouTube oder *hust*download*hust*. Nach Boston Legal nun meine Nr. 2 unter den Fernsehserien. Es ist unglaublich, wieviel ich dort von meinem Alltag wiedererkenne. Ich kann die Serie wirklich Jedem empfehlen, nicht nur für Hotelangestellte ein Spaß.

Genug für heute. Nächstes mal schreibe ich etwas über chinesische Unternehmensmethoden, Eigentumsrechte und warum China auch meiner Ansicht nach „in der Modernisierungsfalle“ steckt.

Kategorien:China, arbeit, dies und das

Hochzeit ohne Hindernisse

18. Oktober 2009 jaycup 1 Kommentar

Gestern besuchte ich zum ersten Mal eine Hochzeit – in unserem Hotel. Die Organisation des Events lief über unsere Sales & Marketing Abteilung, ein klein Wenig habe ich jedoch auch eingegriffen. Ein gutes Wort beim Küchenchef eingelegt, ein klein wenig Einfluss auf die Zimmerwahl und schon wird so ein Aufenthalt angenehmer. Die Hochzeit war traumhaft und ich nahm als Gast teil… hach, schon schön sich eine filmreife Trauung live anzuschauen und ich bin sehr froh gewesen das Ganze aus der Gast-Perspektive wahrzunehmen. Das Brautpaar strahlte und auch wenn Beide beim Höhepunkt den Tränen nahe waren verlief alles reibungslos. Das Glück der Beiden sprang auch förmlich auf alle Anwesenden über. Ein sehr schöner Moment… Trotzdem und um alle meine Nahen zu beruhigen: Für mich ist die Zeit noch nicht gekommen… bei dieser Gelegenheit aber einen schönen Gruß an meinen Blogger-Kollegen Jens-Olaf ;- )

Interessant war an dem Tag eine weitere „Entdeckung“. Zur Hochzeit zieht man sich gut an und natürlich habe ich meinen Anzug aus dem Koffer geholt, die Kravatte wurde mit einem überaus guten Windsor-Knoten versehen an dem ich rund 15 Minuten feilte, damit er auch perfekt in Form ist und mein Lieblingshemd durfte auch nicht fehlen. Dann stellte ich jedoch fest, dass meine Geldbörse nur noch genug Kleingeld für den Bus enthält. Das darf nicht sein, im Anzug hat man in einem Mietwagen oder zumindest Taxi vorzufahren. Da ich noch genug Zeit hatte, entschloss ich mich also noch kurz zur Bank zu gehen. Das war ein Erlebnis. Ich werde ja so schon oft angestarrt hier, aber hochgestylt mit Anzug, Weste, Kravatte und blankpolierten Schuhen fühlte ich mich tatsächlich wie ein Alien. Ich konnte förmlich fühlen wie sich ausnahmslos JEDES AUGENPAAR auf dem Weg auf mich focussierte. Meine Begleitung kam aus dem Grinsen nicht heraus, nach ein paar Minuten wurde es jedoch auch für sie unangenehm. Dann die Erkenntnis: In Sanya habe ich tatsächlich noch niemals jemanden im Anzug gesehen. Klar, Hemd und Anzughose, passiert gelegentlich. Hemd und Kravatte ist selten, aber passiert schon mal. In voller Montur – niemals. Und wenn dann so ein Ausländer sich so präsentiert… also noch einmal werde ich das nicht tun. Ganz ehrlich: Das ist auch eine Frage der Sicherheit. Vielleicht interpretiere ich da auch zu viel, aber meine Wahrnehmung war nicht sehr angenehm und ich wurde nicht nur mehr als oft vor Überfällen hier gewarnt. Im Kreise meiner Kollegen gab es bereits mehrere Vorfälle, ich habe nicht vor mich da anzuschließen.

Mein Antrag auf den Wechsel nach Beijing wird geprüft, allerdings gehe ich von einem negativen Ergebnis aus. Zumindest bis März werde ich hier bleiben müssen, denn das Neujahrsfest im Februar erfordert so viele Arbeitskräfte wie nur möglich. Wäre auch so weit in Ordnung für mich, die Zeit verfliegt sehr schnell, aber die letzten 3 Monate meines Arbeitsvertrags würde ich schon gerne noch in einem Business-Hotel verbringen.

Ein anderes Problem bahnt sich woanders an: Mein Visum. Bis Februar habe ich noch ein Business-Visa vom Typ F. Wie ich nun aber mitbekommen habe, schränkt die chinesische Regierung die Arbeitsmöglichkeiten für ausländische Bewerber immer mehr ein und begrenzt die Ausgabe der Visa drastisch. Mein Trainee-Kollege aus Korea hat letzte Woche sein Visum für die letzten 3 Monate seines Trainings nur mit sehr, sehr, sehr viel Druck seitens des Hotels erhalten können und es wurde mir bereits angedeutet, dass es bei mir dann noch mehr Schwierigkeiten geben könnte. Naja, bis Februar ist noch viel Zeit, also Tee trinken und abwarten.

Am Dienstag ziehe ich in ein anderes Apartment um. Meine jetzige Bleibe wird vom Hotel nicht mehr gesponsert, da die Verträge ausgelaufen sind. Nun wurden neue Verträge in einem anderen Gebäude, jedoch in der gleichen Straße, geschlossen. Ich hoffe doch, dass ich Meerblick haben werde :- )

Ach, noch ein kurzer Hinweis: In China ist YouTube, Facebook etc. immer noch geblockt und selbst meine kleinen Anonymisierungstools funktionieren nicht mehr. Für jegliche Kommunikation also bitte E-Mail oder über diesen Blog, MSN und Skype ist auch OK.

Kategorien:China, arbeit, dies und das

Es geht weiter…

10. Oktober 2009 jaycup 5 Kommentare

…es passiert hier viel, sehr viel. Ich kann natürlich nicht über Alles schreiben, Firmeninterna gehören auf keinen Blog… so viel möchte ich aber anmerken: Nächste Woche werde ich einen Antrag stellen, zu Beginn des Jahres nach Beijing versetzt zu werden.

China ist groß und hat viele Facetten. Ich kenne nun den ländlichen, ursprünglichen Teil und bin nicht wirklich begeistert. Es wächst der Drang, das neue,  moderne China kennenzulernen und dafür gibt es für mich im Moment nur eine Wahl: Beijing, denn das Kempinski in Shanghai ist noch nicht fertiggestellt. Ob dieser Schritt vom Management begrüßt wird kann ich nicht beurteilen. Ich vermute eher nicht. Trotzdem werde ich da stark pushen. Bis zum Ende des Jahres sind es noch 2,5 Monate und die Zeit wird bei dem aktuellen Arbeitspensum und Projekten wie im Flug vergehen. Dann wird es allerdings auch Zeit für ein paar Veränderungen. Bloß keine Routine aufkommen lassen ;- )

Ein weiterer Grund ist, dass ich mich in einem Business-Hotel einfach wohler fühle. Resorts haben ihren Charme und sind sicher gut um mal durchzuatmen – aber irgendwo brauche ich einfach diesen „busy“ flair. Familienbetreuung ist auch nicht unbedingt meine Stärke zumal ich Kinder nicht wirklich leiden kann. Also, wie gesagt, ob es klappt weiß ich nicht, aber ich werde mich darum bemühen. Da kenne ich auch gleich spontan mindestens 3 Personen, die sich über den Wechsel freuen würden ;- )

Was ich mir allerdings durchaus gut vorstellen kann ist, in sagen wir 6-7 Jahren wieder hierherzukommen. Sanya ist zur Zeit einfach noch absolutes Entwicklungsland und ich will nicht abgehoben klingen, aber ich brauche einfach mehr Kultur, mehr Bildung, mehr… Zivilisation. Ich erinnere mich noch sehr genau wie ich manchmal in Berlin bei einem Glas Wein darüber nachgedacht habe, wie viel einfacher die Welt doch sein könnte. Jetzt ist es ausgerechnet die Komplexität der Großstadt und die Entwicklung der Moderne die Heimweh auslösen.

Dann noch nebenbei: Wer sich für das Studium eines Faches wie „Tourismus-Management“ interessiert, der kann ja mal einen Blick auf die Website meiner kleinen Schwester werfen, die sich scheinbar ein wenig von mir beeinflussen ließ und nun auch den Weg der Touristikbranche einschlägt: http://abenteuerwernigerode.wordpress.com/

Achja. Da gibt es ja noch etwas. Präsident Obama bekommt den Friendsnobelpreis. Ich werde nicht in die politische Diskussion einsteigen ob es denn nun gerechtfertigt ist oder nicht. Aber die heftigen Diskussion in Amerika zeigen doch sehr deutlich, wie umstritten der Präsident in seinem eigenen Land ist.

Kategorien:China, arbeit

Der Tag kann so kurz sein…

27. September 2009 jaycup 4 Kommentare

5:15 – Es ist noch dunkel draußen, aber der Handywecker gibt keine Ruhe. Zeit aufzustehen. Heute ist Frühshicht. Schnell duschen, rasieren, Zähne putzen, Notizbuch und Handy in die Jeanstaschen stopfen und runter vor die Haustür.

5:42 – Der Shuttlebus tuckert heran. Ich steige in den leeren Bus ein und suche mir einen Platz am Fenster, ziehe jedoch die Vorhänge zu, lehne den Sitz ein wenig nach hinten und schließe die Augen. Die Fahrt dauert 45 Minuten mit 2 weiteren Stops, um weitere Arbeitskollegen einzusammeln. Die 45 Minuten Ruhe kann man sich noch gönnen.

6:30 – Ankunft im Hotel. Erstmal in die Kantine und Frühstücken. Eine warme Suppe und chinesische Klöße machen nicht glücklich aber immerhin vorübergehend satt.

6:40 – Auf dem Weg zur Umkleidekabine die frisch gewaschene Uniform abholen, umziehen. Einmal alles kontrollieren: Namensschild, Uniform, die Schuhe einmal durch den „Shoe-Shine“ Automaten ziehen, Notizbuch, Kugelschreiber, Zähne, Haare – alles nach Standard. Nur am Hals sehe ich, dass der neue Rasierer tatsächlich von Gilette sein muss. Zwei kleine Schnitte. Einmal kurz das Blut abgetupft und schon ist auch das nach Standard.

6:50 – Handover. Der Nachtmanager übergibt mir sein Handy, den Generalschlüssel und einige weitere notwendige Dinge. Die Vorfälle des Vortags und der Nacht werden kurz erörtert und wo noch etwas zu erledigen ist im Detail beschrieben. Nach der Übergabe beginnt offiziell meine Schicht.

7:00 – Ein kurzer Check im System. Wieviele Gäste erwarten wir heute, wieviele werden unser Haus verlassen. Gibt es VIP Gäste? Hat jemand Geburtstag? Reisegruppen? Gäste die uns wiederholt besuchen? Einmal kurz die Namen durchgehen ob ein Gast mit dem man bereits Kontakt hatte auscheckt. Wie hoch wird die Belegung des Hotels für die komplette Woche sein? Events? Besonderheiten?

7:15 – Ein kurzer Blick in die Lobby. Die Kissen der Sofas neu ausrichten, eine Dame vom Housekeeping rufen um die Aschenbecher zu putzen. Der Flur ist sauber aber die Rezeption müsste einmal abgewischt werden. Ansonsten sieht die Lobby OK aus. Erste Gäste wandern gemütlich richtung Restaurant zum Frühstücken und ein deutscher Gast möchte sich bereits über ein Ausflugsziel für heute Nachmittag erkundigen. Ich gebe ihm eine Broschüre, die ich gerade erst kürzlich für das Hotel angefertigt habe und überreiche meine Visitenkarte sowie Kurzwahl, um ihm dann bei der Buchung behilflich sein zu können. Die Sonne ist mittlerweile aufgestiegen, ich gehe also ins Back-Office um die Lobby-Beleuchtung auszuschalten. Kostensparen. Dann nochmal ein Gang zum Concierge und die notierten Transport-Service mit der  zuvor gecheckten Liste abgleichen. Alles OK soweit.

7:40 – Wieder ins Back-Office und einmal den Manager-Flash aufrufen. Ein Report der mir knapp alles übersichtlich darstellt. Wieviel Gäste hatten wir gestern, wieviele VIPs, den durchschnittlichen Zimmerpreis, wieviel haben wir insgesamt eingenommen, und dann noch einmal in der Übersicht den Status für den kompletten Monat und das Jahr bis heute. Ich fertige einen Bericht darüber an und sende ihn mit weiteren Unterlagen, Kommentaren von Gästen etc. an die Hotelleitung.

8:00 – Auf zur Executive Lobby und Lounge. Dort den Status prüfen, checken wieviel Gäste in der Executive Lounge frühstücken und kurz Small Talk ob auch alles zur Zufriedenheit verläuft. Weiter ein Gang durch den Garten zurück zur Hauptlobby und zur Lobby-Bar. Hier auch alles OK.

8:30 – Das Handy klingelt. Ein Gast hatte sich gemeldet. Er kommt erst heute am Abend an, sein Kind hat jedoch Geburtstag und er wünscht sich einen Kuchen auf dem „Happy Birthday Baby“ steht. Der Kuchen solle um 20 Uhr aufs Zimmer geliefert werden. Einmal ins Back-Office, entsprechendes Formular ausgefüllt und zum Room-Service weitergeleitet.

8:37 – Das Handy klingelt wieder. Ein Gast hat die Geheimnummer von seinem Safe im Zimmer vergessen. Ein kurzer Gang in das Gebäude nebenan bewaffnet mit einem UBS-Safe-Opener läßt den Gast nach einer schnellen Aktion/Operation aufatmen.

8:47 - Ja, das Handy. Die Engineering Abteilung hat eine Tür repariert und nun muss in das elektronische Schloss die Software neu eingespielt werden. Diesesmal wird das Problem mit hilfe eines PDA gelöst, dauert allerdings etwas länger, da die Herren zwar das Schloss repariert haben, aber vergaßen die Batterien zu wechseln und keine passenden dabei hatten.

9:00 - Auf dem Rückweg zur Lobby klingelt das Handy. Ein Gast möchte gerne einen late check-out um 15:30. An der Rezeption angekommen prüfe ich kurz ob bereits eine Reservierung für das Zimmer vorliegt. Keine. Ich prüfe kurz woher der Gast kommt, VIP Status und die Zimmerkategorie samt Preis. Dann bestätige ich den späten check-out ohne Aufpreis und programmiere seine elektronischen Schlüssel neu, da die bisherigen ihn sonst um 12 Uhr bereits aussperren würden.

9:10 – Ein Gast möchte gerne mit dem Manager sprechen. Er empört sich über die hohen Preise für Windsurfen. Ich erkläre höflich die Details unserer Zusammenarbeit mit dem Anbieter und auch das recht hohe Preisniveau dieser Anlagen in Sanya. Der Gast ist nicht glücklich aber äußert Verständnis.

9:45 - Kurze Besprechung mit dem Direktor unserer Food & Beverage Abteilung. Die neu eingeführten Debit-Karten für unsere Restaurants sind schwierig in der Bedienung. Das programmieren der Karten dauert zu lange und die Software ist zu kompliziert in der Bedienung. Außerdem besprechen wir noch kurz unser Vorhaben für eine Neugestaltung der VIP-Amenities samt erwarteter Kostenkalkulation.

10:30 – Heute steht Training für 2 Bell-Boys an. Die Trainingsunterlagen für beide habe ich bereits am Vortag angefertigt. Außerdem ist heute auch Call-Center Training angesagt. Während der Drucker eifrig arbeitet fällt mir eine E-Mail von einem deutschen Reiseanbieter auf der höflich um Unterstützung bei der Buchung für einen Gast bittet. Ich schreibe kurz eine Antwortmail mit der Bitte um Details der Buchung und die Form der notwendigen Unterstützung. Die Bank of China hat uns nun auch den heutigen Wechselkurs zugeschickt und das Recreation-department die Wettervorhersage für die nächsten 3 Tage. Auch diese Daten werden ausgedruckt.

11:00 – Die aktuellen Wechselkurse und die Wettervorhersage gebe ich zur Rezeption. Ein Gang zum Concierge um mit den Bell-Boys die Uhrzeit fürs Training zu vereinbaren. Wir einigen uns auf 15 Uhr also direkt nach dem Schichtwechsel. Ich lege ihnen nochmal die Theorieblätter auf den Tisch und bitte alles nochmal genau durchzuarbeiten. Im Gesamtergebnis darf keiner unter 85% kommen.

11:15 – Mittagessen im Hotelrestaurant. Das Restaurant ist nun leer und ich kann mir etwas Entspannung leisten. Das Handy klingelt nicht, im Hintergrund läuft entspannende Lounge-Musik und der Café-Latte duftet sehr angenehm. Ein Kempinski Burger mit Salat sieht gut aus, macht satt, schmeckt hervorragend und gibt genug Energie für ein paar weitere Stunden. Eine russische Kollegin kommt dazu und erzählt mir etwas von ihrer Abteilung und den Problemen mit denen Sie manchmal zu kämpfen hat. Draußen fängt es leicht an zu regnen was nach der Schwüle der letzten Tage nicht schlecht ist. Ich genieße den kurzen Augenblick.

12:00 – Handy klingelt. Ein Gast beschwert sich und möchte mit dem Manager sprechen. Er hat ein Glas kaputt gemacht, weigert sich jedoch dieses zu bezahlen. Der Gast erklärt mir, dass sein Kind es hat fallen lassen, weil es viel zu groß und schwer ist. Weiterhin hat ihn niemand darauf hingewiesen, dass Dinge die man kaputt macht bezahlt werden müssen. Er versteht auch nicht, warum das Glas so teuer ist. Schließlich sind wir hier in China und hier ist alles billiger. Ich erkläre dem Gast (aus Hongkong), dass die Gläser aus Deutschland importiert sind, was leicht an dem Markennamen unten erkannt werden kann. Weiterhin erkläre ich die Details unserer Hotel-Policy und das ich trotz Bedauern auf die Bezahlung werde bestehen müssen. Der Gast ist empört und fordert, dass wir alle Gläser im Zimmer wegnehmen und ihm stattdessen Plastikbecher zur Verfügung stellen, damit das nicht noch einmal passiert. Ich räume dem Gast die Option ein, frage jedoch höflich ob es denn wirklich notwendig wäre, da er heute bereits auscheckt. Der Gast ist weiter empört und droht damit im Internet schlechtes über unser Hotel zu schreiben. Ich räume ein, dass es sein gutes Recht ist, bestehe jedoch auf die Bezahlung. Weiterhin frage ich kurz nach, ob er denn über eine Haftpflichtversicherung verfügt. Falls ja können wir ihm gerne diesen Betrag separat auf der Rechnung ausweisen, so dass er dann den Preis von seiner Versicherung rückerstattet bekommen kann. Der Gast willigt ein, ist jedoch alles andere als glücklich.

13:00 – Wir haben zwei Bewerber für die Rezeption und ich soll ihr Englisch prüfen. Mit beiden führe ich jeweils ein kurzes Interview von ca. 10 Minuten und gebe die Ergebnisse an meinen Vorgesetzten weiter. Das Englisch ist gut, jedoch hat einer der beiden es nicht für nötig empfunden sich vor dem Interview die Zähne zu putzen und Haare zu waschen. Dummerweise war sein Englisch wirklich gut und auch hatte er (was bei den anderen Kandidaten nicht der Fall war) recht klare Karrierevorstellungen geäußert. Ich habe eine Empfehlung für ein zweites Interview geäußert, allerdings mit einer klaren Vorgabe für das „Grooming“. Sollte sich das beim 2. Interview nicht bessern, dann wars das. Sollte er das jedoch erst nehmen dann könnte man ihm eine Chance geben.

13:30 – Zeit für meine Projekte. Unser Hotel benötigt neue Visitenkarten und während ich mich um die Inhalte kümmere ist das Sales & Marketing Department für die optische Aufmachung zuständig. Ich verfeinere die Liste der zu beachtenden Punkte und schicke eine Mail mit den Details an die Kollegin in der anderen Abteilung. Danach arbeite ich an der neuen detaillierten Rooms-Liste für das gesamte Hotel. Sie soll bei künftigen Trainings helfen eine schnelle Übersicht über Zimmertypen, Vorteile, Nachteile, Preiskategorie etc. zu geben. Im Business-Center gebe ich den Auftrag für die Neubestellung von Ordnern und Heftern auf. Die bisher genutzen an der Rezeption sehen nicht mehr gut aus und sollten ersetzt werden.

14:00 – Kurze Besprechung mit dem Vorgesetzten. Wir sprechen über die Beförderung und Entlassung von zwei Mitarbeitern. Außerdem gibt es einige Ungereimheiten in der Kostenkalkulation für unsere Limousinen und auch in den VIP Services. Ich lasse mir die Daten von der Finanzabteilung zukommen und lege einen Zeitplan für die Erstellung der Kostenanalyse fest.

14:40 – Übergabe zur nächsten Schicht. Ich stelle dem Team der nächsten Schicht kurz und kompakt die Geschehnisse des Tages dar, erwähne worauf geachtet werden muss und welche Gäste besondere Aufmerksamkeit erfordern. Ich erwähne kurz die Ergebnisse der Trainingsmaßnahmen soweit und ein paar Fehler und Ungereimtheiten die am Vortag entstanden sind und uns heute etwas Kopfzerbrechen bereitet haben. Das Team startet dann die Nachmittagsschicht und ich setze mich noch kurz mit dem Assistant Manager der Nachmittagsschicht zusammen und gebe ihm mehr Details zu Vorgängen die ich nicht abgeschlossen habe und um die er sich wird kümmern müssen.

15:00 – Einen Bericht habe ich noch vergessen abzuschicken. Ich fertige ihn schnell an und sende ihn per Fax. Die Bell-Boys warten bereits ungeduldig auf das Training. Heute ist ein Rollenspiel angesagt in dem ich den Service bei Ankunft, Zimmerpräsentation und Abfahrt überprüfe. Es gibt eine feste Liste mit Standards die es abzuarbeiten gilt und ich habe das gesamte Team bereits vor einer Woche eingeschworen die Details einzustudieren. Das Ergebnis ist OK. Nach dem Test gehen wir die Details durch und ich gebe Tipps und Hinweise was verbessert werden kann und sollte.

16:00 – Die Kopfschmerzen vom Vortag machen sich wieder breit. Zeit nach Hause zu gehen. Ich ziehe mich um, warte jedoch nicht auf den Hotel-Shuttle sondern nehme einen öffentlichen Bus. Die 3 RMB bis zur Stadt sind nicht zu viel und ich will nicht 45 Minuten auf den Shuttle-Bus warten.

16:30 – Zu Hause. E-Mails checken, nochmal sichergehen, dass ich nichts vergessen habe, etwas Selbststudium der chinesischen Sprache und koreanische Nachrichten um in Form zu bleiben, Nachrichten über die Wahlen in Deutschland prüfen und die aktuellen Aktien- und Wechselkurse – und dann erstmal eine Stunde Mittagschlaf.

19:45 – Abendessen an der Strandbar nebenan. Etwas teurer aber sauber und verdaulich.

21:00 – Schwimmen gehen. Eine Stunde im warmen Wasser relaxen und sich etwas von den Wellen treiben lassen. Vielleicht kommt heute wieder der Tai-Chi Meister vorbei und zeigt mir dann noch am Strand ein paar seiner Tricks.

23:40 – Freundin kommt von Arbeit. Morgen fängt meine Schicht erst um 11 Uhr an, also kann ich heute noch auf einen Drink weggehen oder etwas studieren. Je nachdem wie die Gemütslage dann aussieht wird entschieden.

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