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Archiv für die Kategorie ‘eigenarten’

Qualität und Geld

2. August 2009 jaycup 6 Kommentare

Gestern war ein Tag… um 8:15 Uhr war ich im Office und um 23:30 saß ich im Bus zurück zu meinem Apartment. Danach war ich fix und fertig – körperlich und mental. Zu dem mentalen leisten Chinesen den größten Beitrag. Es ist als Europäer wirklich nicht leicht, die vielen Gewohnheiten der Chinesen zu akzeptieren und zu tolerieren, insbesondere die schon so oft erwähnte Höflichkeit… Personalausweise und Geld werden einem nicht übergeben, sondern wie Müll einem vors Gesicht geworfen – mit der entsprechenden Körperhaltung dazu. In Restaurants wird gerotzt und gespuckt, man drängelt sich ständig und überall vor, redet einem ins Wort während man sich mit Anderen unterhält… solche Zustände können einen wirklich zu Boden zwingen. Im täglichen Umgang auf der Straße ist es schon schlimm, bei der Arbeit in einem 5-Sterne-Hotel ist es aber einfach nur frustrierend. Sämtliche vor der Reise angelernten Knigge-Regeln haben hier Nullwert… na, nicht ganz. Gäste aus Japan und Korea machen viele negative Erfahrungen wieder wett. Ah, wie schön ist es doch mal nicht die Ohren zugebrüllt zu bekommen, sich höflich zu verbeugen und auch mal ein ehrlich gemeintes „Danke“ zu hören… gut, ich gebe zu, gestern war ich etwas überempfindlich wegen der langen Arbeitszeit, aber die Kernaussage bleibt unverändert: Höflichkeit ist ein Problem.

Ein weiteres Problem ist die Produktqualität. Beispiel: Korkenzieher. Die Geschäfte hier sind alle voll mit den unterschiedlichsten Weinen. Alles Chinesisch versteht sich. Ich dachte mir also, dass es doch eine gute Idee wäre einen der Weine zu probieren. Habe also einen mittlerer Preisklasse ausgesucht (70 RMB) und nach einem Korkenzieher gefragt. Prompt kam ein kleines Plastik-Schraub-Dreh-Gerät, welches schon beim Anfassen gefährlich gewackelt hat und dem ich bereits ansehen konnte, dass es bereits den ersten Korken nicht überleben wird. 3 RMB für das Plastikteil erschien als Einweg-Lösung zu viel. Ich fragte nach etwas aus Holz oder Metal – weder Verständnis für meine Sorgen noch etwas auf Lager. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass dieses „Gerät“ tatsächlich nach der ersten Anwendung im Müll landete?

Chinesen denken sehr kurzfristig. Alles wird hier in solchen Unmengen produziert und die Umsätze müssen ständig wachsen, da bleibt keine Zeit um über „Qualität“ nachzudenken. Qualität ist eigentlich sogar schlecht, weil wenn das Produkt länger hält, dann kauft ja keiner ein Neues. So einen Eindruck bekommt man hier in fast jedem Bereich. Egal ob es um Hausbau, Produktion, Möbel oder eben so kleine Accessoires wie einen Korkenzieher geht. Vorwerfen kann man das den Menschen nicht, denn vorher gab es eben gar nichts in der Richtung. Wie soll jemand der gerade glücklich darüber ist etwas zu haben wissen, ob es nun gute oder schlechte Qualität ist. Nein, vorwerfen will ich das nicht, aber mein Leben hier wird dadurch nicht einfacher.

Der nächste Punkt ist die absolute Geldversessenheit. Geld ist hier wirklich Alles. Man wünscht niemandem Gesundheit und Glück, man wünscht Wohlstand und Reichtum. Im Tempel wird nicht für die Familie gebetet, sondern allen voran für einen Geldsegen. Fragt man jemanden, was denn das wichtigste im Leben für einen wäre, kommt die prompte Antwort: Geld. Ich bin immer wieder erstaunt, wie unverfroren ehrlich Männer als auch Frauen das Thema Geld behandeln. Freundschaften haben mit Geld nichts zu tun. Selbst der beste Freund wird einen abstürzen lassen, wenn er damit reich werden kann – und das wird ihm womöglich noch nichtmal schlecht angerechnet. Ich will nicht behaupten, dass es in anderen Gesellschaften wesentlich anders ist, aber die Art das zu demonstrieren ist einfach… ja. Frustrierend. Die Hintergründe sind klar und leicht zu verstehen. Chinesen sind arm. Punkt. Geld = Essen = Kleidung = Wohnung. Kann ich alles nachvollziehen. Aber es ist frustrierend zu sehen, wie erschreckend direkt das einem hier vor Augen geführt wird…

Ah.. ein paar Tage Korea oder Japan würden mir glaube ich wirklich wieder gut tun…

Kategorien:China, eigenarten

Kulturschock? Hmmmm….

1. Juli 2009 jaycup 3 Kommentare

Meine beiden Artikel mit der Überschrift „Was man an China nicht mögen muss“ haben ja schon eine Andeutung in die Richtung Kulturschock gemacht. Wieder sind einige Dinge anders, wieder muss man sich umstellen, wieder hat man so seine Schwierigkeiten… aber eigentlich ist es gar kein Kulturschock. Warum? Weil unter den Zuständen hier eigentlich niemand mehr leidet, als die Chinesen selbst.

Den Titel „die Rüpel Asiens“ habe ich glaube ich schon vor ein paar Wochen den Koreanern abgenommen und an die Chinesen weitergereicht. Chinesen sind vom gesamten Verhalten wirklich sehr rücksichtlos, jeder kümmert sich absolut nur um seine Nase. Interessanterweise ist es aber auch genau das, worüber sich doch sehr viele Chinesen beschweren. Die älteren vermissen die Zeiten in denen Tugend und Hilfsbereitschaft über dem Egoismus standen. Das ist bei uns wohl nicht viel anders. Die jüngeren hier sind aber auch relativ verstimmt was die Zustände angeht. Der Chaos im Verkehr ist für die meisten ein Problem, denn die Rücksichtslosigkeit auf den Straßen fordert viele Opfer. Ich habe in den 4 Wochen hier nahezu täglich Unfälle gesehen oder von Unfällen mitbekommen. Täglich.

Chinesische Kunden beschweren sich überall, dass sie vom Personal in Restaurants oder Hotels schlechter behandelt werden als Ausländer. Wenn man sich allerdings anschaut wie diese Leute mit dem normalen Angestellten hier umgehen, dann frage ich mich ernsthaft, warum sie sich über die „Gegenleistung“ wundern. War es nicht Konfuzius der sagte: „Was du nicht willst das man dir tu, das füge keinem Andern zu“? Meckern tun beide Seiten. Die Angestellten wollen keine chinesischen Kunden bedienen, weil sie es satt sind wie Dreck behandelt zu werden und chinesische Kunden beschweren sich über den gegenüber den Ausländern schlechteren Service. Es ist ein Teufelskreis.

Die Armut zwingt die Leute zu Zweckgemeinschaften und auch sonstigen Eingeständnissen, aber die riesigen Einkommensunterschiede sind mehr als auffällig und verursachen Unmut. Natürlich ist es frustrierend für einen Angestellten zu sehen, dass so mancher Kunde mehr Geld an einem Tag ausgibt als man selbst in zwei Monaten verdient. Wenn das ein Ausländer tut, dann geht es noch, denn Ausländer gelten ja gemeinhin als reich. Wenn allerdings ein Chinese mit dem Geld nur so rumschmeisst, dann weckt das schon unbehagen.

Das sind alles Dinge, die einen doch merken lassen, wie weit China noch in der Entwicklung zurück liegt. Wie auch schon einer meiner Kollegen meinte: Die Hardware zu wechseln ist leicht. Gib den Leuten moderne Komputer, neueste Autos, Wolkenkratzer, etc. und schon kann man sich als neue Weltmacht schimpfen. Die jedoch ebenfalls notwendige Veränderung des Bewusstseins, die notwendig ist um das volle Potenzial der Hardware ausschöpfen zu können, die benötigt einfach… Zeit. Ich habe das gleiche über Korea im Vergleich zu Japan gesagt. Korea hängt Japan locker 30 Jahre hinterher – China ist aber auch nochmal locker 30-50 Jahre hinter Korea in der Hinsicht.

Movie-Cup

So, jetzt aber mal was ganz anderes: Ich habe mir gestern Transformers 2 angeschaut und ich muss schon sagen… nicht schlecht. Teilweise zwar etwas zuuu abgedreht und einige Schnitte sind einfach so gemacht, dass man nichts auf dem Bildschirm erkennt, aber so insgesamt macht der Film schon Eindruck. Wahnsinn was mit der heutigen Technik alles möglich ist… und Optimus Prime mit 2 Schwertern ist der schiere Wahnsinn :- )

Dummerweise kann ich von China aus keine Bilder uploaden und auch keine Youtube-Videos implementieren… deswegen muss diese kurze Beschreibung reichen. Für alle Kampfsportfans noch eine Info: Es gibt bald eine neue Verfilmung von Streetfighter allerdings dreht sich die Story rund um den Character „Chun-Li“. Die Preview sieht sehr vielversprechend aus, aber die überaus reizende Hauptdarstellerin hat leider gar keine Kampfsporterfahrung und auch der Oberbösewicht ist nur ein gemeinhin bekannter Hollywood-Schläger, so dass ich die Befürchtung habe, dass der gesamte Film nur eine einzige Special-Effekt-Show wird mit erschreckend wenigen guten Kampfsportelementen. Kennt man ja schon aus anderen Filmen wie „V – Violett“ oder „Electra“… andererseits kann es nicht viel schlimmer werden als die erste Verfilmung mit Jean-Claude van Damme in der Rolle von Captain Guile… hach, was Kampfsportfilme angeht gibt es doch nichts über das gute alte HongKong-Kino…

Kategorien:China, eigenarten, movie-cup

Was man an China nicht mögen muss – Teil 2

18. Juni 2009 jaycup 5 Kommentare

In unserem heutigen Post möchte ich doch noch 2 Themen ansprechen: Armut und Höflichkeit mit Schwerpunkt natürlich auf Hainan, wobei die geschilderten Beobachtungen doch schon recht repräsentativ für China sind. Alles Infos aus erster Hand.

Armut – Also ich muss schon sagen, dass ich etwas geschockt bin. Das passt hier alles einfach nicht zusammen. Beijing hatte mich schon tief beeindruckt: Die riesigen Hochhäuser, saubere Strassen, auf der Autobahn zum Flughafen viele nagelneue Limousinen. Sanya sieht ebenfalls beeindruckend aus: Die Hotelanlagen sind edel, es gibt viele nagelneue Appartmenthäuser die sowohl vom Design wie auch Funktionalität alles bieten was man sich wünscht, Straßen sind breit und in einem hervorragenden Zustand, alles ist begrünt und es wird täglich überall alles blank-geputzt. Und dann krieg ich so ein paar Infos zu den durchschnittlichen Gehältern hier und nun frage ich mich ernsthaft, wie die Menschen hier überhaupt überleben können. Der so oft betonte Lohnkostenvorteil Chinas hat bedeutungstechnisch für mich eine völlig neue Dimension angenommen. Einfach Zahlen zu lesen und Statistiken zu vergleichen reicht nicht annähernd aus, um zu verstehen was hier passiert. Ich gebe mal ein praktisches Beispiel:

Eine Kellnerin in einem besseren Restaurant verdient hier durchschnittlich 800-900 Yuan pro Monat. Das sind ca. 90 €, je nach Kurs. Ihre Vorgesetzte, die Managerin, verdient vielleicht um die 1500-1600 bzw. entsprechend 150 €. Eine normale kleine Wohnung kostet ca. 700 Yuan pro Monat und für Essen wird sie auch ca. 200-400 Yuan pro Monat ausgeben, je nachdem wie oft sie selbst kocht. Das bedeutet, dass im Worst-Case-Szenario der Managerin jeden Monat lediglich 400 Yuan übrigbleiben, die sie dann aber auch schnell für Haushaltsdinge, Make-Up oder Kleidung loswird. Die Kellnerin ist da schon von vornherein in den Miesen. Um dieser Problematik zu entgehen haben die Menschen entsprechend einen völlig anderen Lebensstil. Man lebt in Gruppen. Das macht alles billiger und einfacher. Apartments werden geteilt, bei den Geringverdienern leben oft 3-6 Leute in einem Raum. Selbst die Besserverdiener teilen sich aber größere Apartments um die Kosten so weit zu senken wie nur möglich. Es wird gemeinsam gekocht, Essen schmeckt besser wenn man gemeinsam mit Anderen zu Tisch geht. Parties? Restaurants? Cafés? Karaoke? Ja, gelegentlich gönnt man sich auch mal so einen Event, aber zum Alltag gehört das nicht. Der Großteil verbringt seine Freizeit damit sich vom Arbeitsstress zu erholen, im Internet zu surfen, schlafen oder etwas Zeit am Strand zu verbringen.

Wie sieht da die Zukunftsplanung aus? Bitter. Hier kommt die Familie ins Spiel. Ich kann nur sagen: Die Armen Männer! Vom Ehemann wird erwartet, dass er der Familie eine Wohnung oder besser gleich ein Haus kauft. Hier in Hainan schwanken die Häuserpreise zwischen 50.000-200.000 € ! ! ! Da wir aber hier im Paradies sind, kann man das natürlich nur bedingt als Maßstab nehmen. Aber selbst wenn wir den Preis auf 10.000 € runterschrauben würden, frage ich mich wie ein normaler Arbeiter sich so etwas jemals leisten kann. In solchen Fällen greift also einem die Familie unter die Arme und investiert ihr hart über Jahrzehnte erspartes. Manchmal verkauft man dafür auch die eigenen vier Wände und kauft dann halt ein neues größeres Haus in dem dann Alle zusammen wohnen können. Hier kommt natürlich wieder der Mengenvorteil ins Spiel. Mehr Leute im Haus bedeutet insgesamt weniger Kosten für Alle, da man sich Alles teilt.

Privatsphäre gibt es nicht und es wird auch wenig Wert darauf gelegt. Man lebt zusammen. Punkt. Selbst Erwachsene sind es gewohnt sich Wohnungen und Räume zu teilen. Hat man geheiratet und sich tatsächlich eine eigene Wohnung leisten können, so ist die Freiheit spätestens vorbei sobald das Baby zur Welt kommt. Dann kommt nämlich gleich die Mutter angeflogen, um sich um Kind und Tochter zu kümmern. Sie bleibt mindestens 3 Monate, in der Regel jedoch 1 Jahr. Übrigens kommt sie auch angereist und besteht darauf zu bleiben, selbst wenn die neue kleine Familie nur in einer 1-Raum-Wohnung untergebracht ist.

Auslandsaufenthalte, höhere Bildung – das sind keine Themen über die man spricht, sondern Träume die gelegentlich mit einem blitzenden Auge erzählt werden. In manchen Fällen kam es mir vor, als ob dieser Blitz einen Hauch von Trauer und Hoffnung in einem enthalten würde… es ist wirklich bitter. Manchmal wenn ich an die Strandbar gehe und mir zwei Drinks + Snacks bestelle, dann muss ich schon daran denken, dass ich in dem Augenblick gerade mehr Geld ausgebe als so mancher hier für 10 Tage für Essen zur Verfügung hat.

Höflichkeit – Japanisch und Koreanisch haben sehr viele Höflichkeitsstufen, die es beim Lernen zu beachten gibt. Ich habe sie immer gehasst und zu Beginn mich teilweise schlicht geweigert das Vokabular in der Richtung auszubauen. Zu viel Aufwand und Stress. Warum soll ich ein und das gleiche Wort in 3 oder 4 Varianten lernen, wenn es auch eine tut. Oder noch schlimmer: 2 oder gar 3 verschieden Wörter für ein und das Gleiche. Spätestens während meines Praktikum im Hotel in Korea habe ich dann jedoch diesen Punkt sehr zu schätzen gelernt und nicht zuletzt habe ich durch den Einsatz eben solchen Vokabulars auch Menschen von komplett anderem Schlag kennenlernen dürfen. Menschen die sich höflich und gebildet ausdrücken können gehen auch oft mit einem anders um. Kein Rumgespucke, Gerotze, Brüllen, Schreien und in den meisten Fällen zollt man dem Anderen doch eine andere Form von Respekt. Im Chinesischen gibt es quasi keine Höflichkeitsform. Wenn es aber nicht einmal in der Sprache eine Unterscheidung zwischen höflich und unhöflich gibt, wie soll man dann da in den täglichen Umgangsformen miteinander unterscheiden? Man tut es nicht, bzw. man tut es einfach deutlich weniger als das eben in Korea und Japan der Fall ist.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie locker man hier alles nimmt. Der einzige Trick um hier überleben zu können ist wirklich nichts, aber auch wirklich GAR NICHTS persönlich zu nehmen. Wenn einer auf seinem Motorrad vorbeifährt und dich anschauend auf den Boden spuckt dann hat das nichts zu sagen. In Berlin-Neukölln würde man so eine Person wahrscheinlich vom Motorrad ziehen und grün und blau prügeln. Hier sind solche Spuck-Vorfälle eben alltäglich und normal. Gleiches gilt für alle anderen bereits erwähnten Phänomene. In den seltensten Fällen will jemand einen beleidigen, sie denken sich einfach nichts dabei und wissen nicht, dass so etwas als Unhöflichkeit eingestuft werden könnte. Ich frage mich, wie wohl die Reaktion wäre, wenn man beim Rotzen oder Spucken dann doch mal zufälligerweise die Person trifft… :- )

Also ich muss schon sagen, dass ich mich manchmal doch nach den Höflichkeitsstufen und Floskeln sehne. Nein, nicht manchmal. Ich sehne mich danach. Was mir damals so nervig und unnötig erschien bekommt hier eine komplett neue Bedeutung. Natürlich gibt es auch höfliche Chinesen – aber nach 3 Wochen hier, kann ich die Zahl der getroffenen wortwörtlich an einer Hand abzählen. Und ich habe schon sehr, sehr viele getroffen. Wenn ich mir auch so nebenbei eine Bemerkung  am Rande erlauben darf: Selbst die schönste Frau kann für mich furchbar schnell furchtbar unattraktiv werden, wenn sie sich eben… naja, eben so benimmt wie das der Großteil hier eben tut…

So viel zu heute… hm, wenn ihr jetzt hier einen leichten Kulturschuck aus dem Text herauslesen konntet, dann seid ihr gut. Ich glaube ich komme jetzt tatsächlich ein klein wenig in die Kulturschock-Phase. Das Gute ist aber, dass ich mich einfach so in die Arbeit vertiefen kann, dass ich dieses kleine Tief schnell hinter mich werde bringen können. Die Arbeit ist nämlich nach wie vor genial und langsam aber sicher fange ich an meine Flügel auszubreiten. Die ersten Ergebnisse werden hoffentlich schon bald ersichtlich werden… aber dazu später mehr ;- )

Kategorien:China, eigenarten

Was man an China nicht mögen muss…

15. Juni 2009 jaycup 5 Kommentare

So, nach all den positiven Nachrichten der letzten Einträge dachte ich mir, dass es nun an der Zeit wäre auch etwas negatives zu berichten. Es geht mir hier hervorragend und ich genieße meinen Job so weit in vollen Zügen. Kann es noch gar nicht fassen, dass ich schon mehr als 2 Wochen hier bin… aber nicht alles ist Gold was glänzt.

Das erste woran ich wirklich meckern möchte ich das Essen. Chinesische Küche ist sehr vielfältig denn China ist einfach riesig. Das Essen auf Hainan ist deftig und würzig. Für meinen Geschmack ist die Küche hier jedoch viel zu fettig, es gibt hier kaum scharfe Gerichte, kaum Knoblauch. Fisch und Seafood esse ich gerne und auch das gibt es hier reichlich, aber alles einfach zuuuu fettig zubereitet. Ich vermisse scharfe, kochend-heiß aufgetischte Suppen wie in Korea oder die eleganten Kombi-Menüs aus Japan. Chinesen essen Alles und ich meine auch ALLES. Wenn man etwas auf den Teller bekommt ist es mit Knochen, Greten, Füßen und Köpfen und so ziemlich alles davon landet dann auch im Mund. Mit der Zunge wird dann schon fast akrobatisch das Verwertbare abgetrennt, in den Magen befördert und der nicht verwertbare Rest wieder ausgespuckt. Es ist sehr gut, dass ich vorher die China-Knigge gelesen habe in der diese Vorgänge bereits ausführlich dokumentiert wurden. Ich war darauf vorbereitet und komme deshalb damit auch gut zurecht. Toll finde ich das aber wirklich nicht. Alle Knigge-Regeln die ich mir vorher für das Hotel angelesen habe besitzen hier quasi einen Wert von Null – zumindest solange ich mit Chinesen zu tun habe.

Der zweite Punkt an dem ich mich wirklich störe ist die Hygiene. In der Regel esse ich im Hotel, an meinen freien Tagen erkunde ich jedoch auch Restaurants und kleinere Gästehäuser in der Gegend. Es ist aber wirklich sehr schwer einen Ort zu finden, der einigermaßen sauber ist. Von der Hygiene auf Toiletten will ich gar nicht erst anfangen. Ich kenne 2 kleine und günstige Restaurants in meiner Gegend die gut und günstig sind, aber ansonsten gebe ich doch recht gerne 20-30 yuan mehr aus um dann essen aus einer vernünftigen Küche mit sauberen Tellern aufgetischt zu bekommen. Chinesen selbst trauen ihrer eigenen Hygiene auch nicht. Hierzu folgende Geschichte:

An meinem ersten Tag in Sanya hatte ich auch sogleich das Vergnügen auf einer Geburtstagsparty zu landen und in ein Restaurant ausgeführt zu werden. Es war ein typisches Hainan-Food Restaurant und nur durch Einheimische besucht. Kaum an den Tisch gesetzt wurde sogleich Tee serviert. Da ich furchtbar durstig war, nahm ich sogleich einen Schluck und da er recht gut schmeckte trank ich gleich die ganze Tasse. Dann erst bemerkte ich, was meine Begleiter machten: Der Tee wurde in dem Becher ein paar mal hin und her geschüttelt, dann nahm man die Stäbchen und hielt sie kurz hinein. Daraufhin wurden die Stäbchen in eine kleine Schüssel gestellt und der Tee aus der Tasse an den Stäbchen entlang in die Schüssel geschüttet, so dass die Stäbchen komplett von allen Seiten einmal durch den Tee befeuchtet wurden. Dann wurde die Tasse umgedreht und mit dem Boden nach oben zeigend in den in der Schüssel vorhanden Tee gestellt, ein paar mal hin und her gedreht und dann wieder herausgenommen. Auch den Suppenlöffel tauchte man kurz in die Schüssel und drehte ihn so, dass jede Seite einmal durch den Tee ging. Der nun „schmutzige“ Tee aus der kleinen Schüssel wurde dann in eine große in der Mitte des Tisches stehende Schüssel gekippt und nachdem alle dieses Ritual hinter sich hatten kam der Kellner und entfernte diese. Dann wurde neuer Tee gebracht der dann auch zum Trinken gedacht war. Die gesamte Prozedur diente der Desinfektion des Geschirrs, denn wie mir eindeutig klar gesagt wurde, soll man chinesischen Küchen was die Sauberkeit angeht nicht trauen. Mir wurde zwar versichert, dass der Tee den ich getrunken habe genau der gleiche war der auch nach der „Reinigung“ geliefert wurde aber… naja… so schnell tritt man ins Fettnäpfchen :- )

Tja…. mehr negative Punkte fallen mir jetzt erstmal nicht ein. Dafür gibt es noch viel zu viel positives, was mein allgemeines Befinden prägt. Offiziell Urlaub kann ich erst nach 6 Monaten Arbeit nehmen, das würde also Dezember bedeuten. Ich werde jedoch vorher schon im Oktober versuchen nach Korea für ca. eine Woche zu gehen. Meinen offiziellen Urlaub werde ich dann nutzen um mehr von China zu sehen. Das tolle ist, dass ich als Mitarbeiter bei Kempinski gewisse Vorteile genieße, was Aufenthalte in anderen Kempinski-Hotels angeht. Diese werde ich dann auch bis zum Maximum ausschöpfen ^ ^

Arbeit läuft im Moment auch Klasse. Einige meiner Ideen und Vorschläge wurden vom oberen Management aufgenommen und zwecks Umsetzung zur Diskussion angesetzt, ich fange an mich immer sicherer in meiner Position zu fühlen und auch mit Kollegen läuft alles wunderbar. Tatsächlich habe ich hier trotz meines Trainee-Status bereits eine niedrige Management-Stelle an der jedoch ein schneller Aufstieg möglich sein sollte, wenn ich nur hart genug arbeite und zur Verbesserung des Service hier beitragen kann. Toll ist auch, dass ich bereits einige meiner Erfahrungen aus Korea mit einbringen konnte. Die vielen Gespräche mit meinem ehemaligen Chef haben sich bereits mehr als ausgezahlt… es freut mich auch besonders, dass viele Gäste doch recht offen ihre Meinung mit mir teilen und sehr konstruktiv Vorschläge unterbreiten. Wieviel davon dann am Ende verwertbar und umsetzbar ist, das ist natürlich eine andere Frage. Ich lerne hier unheimlich viel und… es macht Spass :- ) Na gut, so viel erstmal dazu. Ich werde mich jetzt mal mit Vokabeln ins Bett legen, morgen hab ich frei und da gehts erstmal an den Strand, schwimmen, sonnen, Kokosmilch schlürfen und Ananas am Spieß futtern :- )

Kategorien:China, arbeit, eigenarten

zu den "buddhisten"

28. Juli 2008 jaycup 3 Kommentare

mein gott war ich heute ko. ich kam gestern relativ spät nach hause da ich erst in der oper war und mir „die fledermaus“ in der komischen oper anschaute und danach noch eine verabredung hatte… und ausgerechnet an dem abend musste um 1 uhr der film „collateral“ noch ausgestrahlt werden. 

also man mag ja von tom cruise halten was man mag und auch seinen einsatz für die scientologen werde ich sicherlich nicht gut reden, aber er ist schon ein klasse schauspieler und in dem film „collateral“ übertrifft er sich selbst. die rolle passt einfach so perfekt, ich musste mir den film einfach anschauen. um 3 uhr morgens war er dann zu ende und ich fiel in einen tiefschlaf um dann nur 2,5 stunden später wieder aufzuspringen und bewaffnet mit buttermilch, banane und stulle mir im bus die notwendige energie für die nächsten 7 stunden arbeit anzufuttern. nach der arbeit ging es zum potsdamer platz und da auf die wiese. tshirt runter und in der sonne brutzeln…20 minuten dösen auf der wiese in der sonne… hach, was gibts schöneres… naja, dann stand aber schon die nächste verabredung an.
wie auch immer, der grund warum ich heute schreibe ist ein anderer. als asieninteressierter und student der asienwissenschaften begegnet man ihnen unausweichlich: den buddhisten. es gibt mittlerweile recht viele europäer die sich zu dieser „lebensart“ bekennen, in berlin gibt es mehrere tempel die einige der möglichen formen vertreten und mit den kleinen-runden-holz-armbändchen bewaffnete leute trifft man auch an jeder ecke, wobei die chancen doch schon gut stehen, dass es sich dabei nicht unbedingt um den trendigen h&m-shopper handelt.
ich persönlich interesse mich für religionen nur bedingt und würde mich da zu nichts verschreiben wollen, auch wenn ich als pole selbstverständlich katholisch getauft bin. ich würde aber trotzdem nie auf den gedanken kommen meinen glauben zu wechseln oder mich als sonst irgendwas bezeichnen zu wollen, einfach weil das für mich keine rolle spielt, aber da kommen die genannten buddhisten ins spiel.
ich bin ja immer wieder erstaunt, wie schnell das so manchem über die lippen kommt. „ich bin buddhist“. insbesondere bei studenten der asienwissenschaften stellen sich bei mir dann gleich alle radarstellen hoch, denn die wahrscheinlichkeit, dass man es hier nun mit einem „freak“ zu tun hat, ist extrem hoch. an sich würde mich ja sowas nicht stören, so etwas gibt es ja quasi überall und kann man auch sicherlich auf jeden glauben in zig fällen übertragen, aber was mir immer wieder auffällt ist, dass ausgerechnet die europäischen „buddhisten“ bei allem scheinheiligen getue und objektiv-neutralem gelabber doch recht eindeutig immer der meinung sind, den „besseren“ glauben gewählt zu haben, andere verurteilen und selten auch wirklich tollerant sind.
mittlerweile sind mir da so einige persönlichkeiten bekannt, mancher besser, manche weniger aber unter all diesen personen kenne ich nicht eine einzige, von der ich sagen könnte, dass er/sie den glauben wirklich vertritt. sich in nem tempel regelmäßig vor den buddha zu knien und sutren zu retizieren ist halt nicht der punkt. was mich stört ist, dass einfach das alltagsverhalten nicht mit dem übereinstimmt, was die leute selbst als „ihren weg“ den anderen vorzugaukeln versuchen. naja, zugegeben, sowas gibt es auch bei den christen reichlich. aber von denen gibt es hier so viele, dass es auch genug gegenbeispiele gibt und da sind mir auch besonders in meiner eigenen familie einige bekannt, die ihre religion wirklich einfach leben ohne daraus einen hehl zu machen. bei den buddhisten fällt da die statistik einfach ungünstig aus… oder? ^^
so, als vorbereitung auf die regenzeit habe ich gerade meine neuen kappa-schuhe imprägniert. 2 mal. letztes jahr sind mir während der regenzeit 2 paar schuhe auseinandergeflogen, das soll dieses mal nicht passieren. dumdium, countdown läuft, noch 10 tage bis zum abflug!
wort des tages: 불교
der buddhismus.  
Kategorien:eigenarten