Qualität und Geld
Gestern war ein Tag… um 8:15 Uhr war ich im Office und um 23:30 saß ich im Bus zurück zu meinem Apartment. Danach war ich fix und fertig – körperlich und mental. Zu dem mentalen leisten Chinesen den größten Beitrag. Es ist als Europäer wirklich nicht leicht, die vielen Gewohnheiten der Chinesen zu akzeptieren und zu tolerieren, insbesondere die schon so oft erwähnte Höflichkeit… Personalausweise und Geld werden einem nicht übergeben, sondern wie Müll einem vors Gesicht geworfen – mit der entsprechenden Körperhaltung dazu. In Restaurants wird gerotzt und gespuckt, man drängelt sich ständig und überall vor, redet einem ins Wort während man sich mit Anderen unterhält… solche Zustände können einen wirklich zu Boden zwingen. Im täglichen Umgang auf der Straße ist es schon schlimm, bei der Arbeit in einem 5-Sterne-Hotel ist es aber einfach nur frustrierend. Sämtliche vor der Reise angelernten Knigge-Regeln haben hier Nullwert… na, nicht ganz. Gäste aus Japan und Korea machen viele negative Erfahrungen wieder wett. Ah, wie schön ist es doch mal nicht die Ohren zugebrüllt zu bekommen, sich höflich zu verbeugen und auch mal ein ehrlich gemeintes „Danke“ zu hören… gut, ich gebe zu, gestern war ich etwas überempfindlich wegen der langen Arbeitszeit, aber die Kernaussage bleibt unverändert: Höflichkeit ist ein Problem.
Ein weiteres Problem ist die Produktqualität. Beispiel: Korkenzieher. Die Geschäfte hier sind alle voll mit den unterschiedlichsten Weinen. Alles Chinesisch versteht sich. Ich dachte mir also, dass es doch eine gute Idee wäre einen der Weine zu probieren. Habe also einen mittlerer Preisklasse ausgesucht (70 RMB) und nach einem Korkenzieher gefragt. Prompt kam ein kleines Plastik-Schraub-Dreh-Gerät, welches schon beim Anfassen gefährlich gewackelt hat und dem ich bereits ansehen konnte, dass es bereits den ersten Korken nicht überleben wird. 3 RMB für das Plastikteil erschien als Einweg-Lösung zu viel. Ich fragte nach etwas aus Holz oder Metal – weder Verständnis für meine Sorgen noch etwas auf Lager. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass dieses „Gerät“ tatsächlich nach der ersten Anwendung im Müll landete?
Chinesen denken sehr kurzfristig. Alles wird hier in solchen Unmengen produziert und die Umsätze müssen ständig wachsen, da bleibt keine Zeit um über „Qualität“ nachzudenken. Qualität ist eigentlich sogar schlecht, weil wenn das Produkt länger hält, dann kauft ja keiner ein Neues. So einen Eindruck bekommt man hier in fast jedem Bereich. Egal ob es um Hausbau, Produktion, Möbel oder eben so kleine Accessoires wie einen Korkenzieher geht. Vorwerfen kann man das den Menschen nicht, denn vorher gab es eben gar nichts in der Richtung. Wie soll jemand der gerade glücklich darüber ist etwas zu haben wissen, ob es nun gute oder schlechte Qualität ist. Nein, vorwerfen will ich das nicht, aber mein Leben hier wird dadurch nicht einfacher.
Der nächste Punkt ist die absolute Geldversessenheit. Geld ist hier wirklich Alles. Man wünscht niemandem Gesundheit und Glück, man wünscht Wohlstand und Reichtum. Im Tempel wird nicht für die Familie gebetet, sondern allen voran für einen Geldsegen. Fragt man jemanden, was denn das wichtigste im Leben für einen wäre, kommt die prompte Antwort: Geld. Ich bin immer wieder erstaunt, wie unverfroren ehrlich Männer als auch Frauen das Thema Geld behandeln. Freundschaften haben mit Geld nichts zu tun. Selbst der beste Freund wird einen abstürzen lassen, wenn er damit reich werden kann – und das wird ihm womöglich noch nichtmal schlecht angerechnet. Ich will nicht behaupten, dass es in anderen Gesellschaften wesentlich anders ist, aber die Art das zu demonstrieren ist einfach… ja. Frustrierend. Die Hintergründe sind klar und leicht zu verstehen. Chinesen sind arm. Punkt. Geld = Essen = Kleidung = Wohnung. Kann ich alles nachvollziehen. Aber es ist frustrierend zu sehen, wie erschreckend direkt das einem hier vor Augen geführt wird…
Ah.. ein paar Tage Korea oder Japan würden mir glaube ich wirklich wieder gut tun…
Comments