Wenn man in einem Land wie China lebt, kommt man nur selten in den Genuss ausgewogener und gut recherchierter Informationen zur Weltwirtschaft – zumindest in Sanya. Die einzige Englischsprachige Zeitung hier ist die „China Daily“ welche sicherlich nicht empfehlenswert ist. In den wenigen Bibliotheken und Büchereien findet sich nichts aktuelles (und nichts Englischsprachiges). Diskussionen oder Debatten mit Chinesen zu Themen wie Politik und Wirtschaft kann man sich getrost sparen. 95% der Chinesen verfügen nicht einmal über Grundlagenwissen zur Weltwirtschaft. 4% haben zwar das Grundwissen werden jedoch durch den Nationalstolz so geblendet dass man quasi schon nach dem dritten Satz bei „China wird alle überrollen“ ankommt. Die übriggebliebenen 1% sind einfach schwer zu finden. Soweit mein Eindruck. Zugegeben: Wirtschaftskompetenz ist auch in Deutschland nicht sehr hoch. Einer Allensbach-Umfrage zur Folge bewerteten 658 Top-Entscheider aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung das Volk als „ahnungslos“. Rund 87% aller Deutschen sollen „gar nicht gut“ oder „nicht gut“ Ahnung von Wirtschaft haben. Das aber nur mal am Rande ;- )
Wie sehr freut es da einen, wenn man als Gäste ein paar Geschäftsleute aus Deutschland antrifft, Wirtschaftsprüfer und Finanzberater, die einem dann mit einem dezenten Lächeln aktuelle Ausgaben meiner Lieblingsmagazine in die Hand drücken: Wirtschaftswoche, Spiegel, Capital. Ein „Stern“ und „Brigitte“ waren auch dabei…
Die Wirtschaftswoche habe ich in 2 Tagen verschlungen, was mir dunkle Augenringe bescherte. Es war jedoch sehr spannend zu lesen. Konkret ging es um die Ausgabe nr. 37 in der eine aktuelle Analyse zu den „besten Unternehmen der Welt“ durchgeführt wurde. Sehr plakative Überschrift und sicherlich würde ich da mein Gehalt nicht drauf verwetten – aber spannend zu lesen war es allemal. Allen voran hat Südkorea massiv die „Charts“ gestürmt. In nahezu allen wichtigen Branchen rangiert mind. 1 koreanisches Unternehmen unter den Top 10. Eine kurze Zusammenfassung:
Auto: Hankook – Platz 6
Chemie: OCI – Platz 1
Konsum: KT&G – Platz 1
Maschinen & Anlagenbau: Doosan Heavy Ind. – Platz 1
Rohstoffe: Posco – Platz 8
Mischkonzerne: LG – Platz 1
Gewertet wurden 6000 Unternehmen weltweit nach den Kriterien welches Unternehmen den meisten Wert für seine Anleger schafften und am sichersten durch die Wirtschaftskrise steuern konnte (kann). Da kann man sich nur respektvoll verbeugen. In allen Bereichen hat Südkorea bereits Japan ausstechen können und Deutschland war nur im Bereich „Auto“ (MAN – 5 Platz) besser. Unter den TOP 10 nicht vertreten war Südkorea lediglich in den Branchen „Medien“ und „Pharma/Medizintechnik“. Das freut doch das Herz eines jeden Koreanisten.
Ansonsten ist ja in den letzten Wochen auch viel passiert. Wahlen in Japan & Deutschland sind da wohl das wichtigste. Für beides empfehle ich eigentlich die Blogs anderer Spezialisten: Tabibito für Japan und Jan für Deutschland. Beide findet ihr rechts in meiner Linkliste. Von meiner Seite dazu also nur ein kurzes Kommentar:
Japan – wunderbar. Weg mit der alten Kruste und her mit der Neuen. So sehr ich den Wandel begrüße – es ist wieder eine Ein-Parteien-Herrschaft. Ich hoffe auf das beste, aber allzu viel erwarte ich eigentlich nicht…
Deutschland – ich mag Frau Merkel ganz und gar nicht, aber das Wahlergebnis gefällt mir. Hätte ich eine Stimme gehabt, dann wären das auch meine beiden Kreuze gewesen. 1. Um die SPD abzustrafen. Es ist allerhöchste Zeit, dass die Dinosaurier an der Spitze die Plätze räumen. 2. Die FDP wird hoffentlich nun endlich etwas mehr Wirtschaftskompetenz in die Sache bringen. Wie sehr wünsche ich mir für Deutschland ein modernes und simples Steuersystem. 3. Ich mag Guttenberg. Er macht einen ehrlichen Eindruck und wirkt überaus kompetent. Läßt sich nicht zu sehr von der alten Garde beeinflussen und geht den Weg, den er für richtig hält. Mein Wunsch wäre also, dass er auch Wirtschaftsminister bleibt, aber da wird die FDP wohl ein wenig gegensteuern wollen. Schauen wir mal.
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4 Monate und 1 Tag in Sanya. 1/3 meines Trainigs hier ist abgeschlossen. Das Oktoberfest in unserem Paulaner Restaurant wird begleitet von dem chinesischen „Mooncake-Festival“. Alle essen diese überdimensionalen, kuchenartigen Kekse und heute Nacht gibt es eine Versammlung am Strand, man zündet Kerzen und Knaller und feiert den Mond über den Wellen des Meeres.
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